Wochenende in der Bay Area - Fuer jeden was dabei…

Nachdem wir waehrend der Woche die Moebel zurechtgerueckt, die Bilder aufgehaengt, abgehaengt und umgehaengt haben, lag das Wochenende unter einem Relax Motto. Unsere Nachbarn hatten jedoch ganz andere Plaene. Nach dem gemuetlichen Wochenend-Fruehstueck wollten wir noch einkaufen gehen, da wir fuer Sonntag die ‘German Community’ eingeladen hatten, unsere deutschen ‘Mit-Amerikaner’. Da wartete gleich die erste Ueberaschung auf uns, dass der Vorplatz unserer Garage inklusive der Vorgarten des Nachbars fuer eine ganz andere Form der amerikanischen Freizeitbeschaeftigung bereits genutzt war.

Das ganze nennt sich Yard Sale oder Garage Sale, abhaengig von der Gegebenheit. Eine uramerikanische Fruehform des lokalen ebay-Verkaufs. Kein Wunder wurde ebay hier erfunden und ist hier so erfolgreich. Das ganze spielt sich folgendermassen ab: Man sammelt allen moeglichen Kram in der Garage, so dass kein Auto mehr rein passt. Irgendwann nervt es so, dass niemand mehr einen Schritt in die Garage tun kann, dann wird zum ultimativen Show-Down gerufen. Ein Schild wird gemalt, an die Strasse gestellt und aller Kram rausgeraeumt, um die ausgehungerten Schnaeppchenjaeger mit neuem Stoff zu versorgen. Am Wochenende zieht diese Spezies dann suchend und lechzend durch die Strassen, um diese anfassbaren ebay-Tempel ausfindig zu machen und sich der Sammel- und Kauflust hinzugeben (man moechte ja nicht hinten anstehen und selbst auch ein solchen Event in naher Zukunft ausrichten). Dieser Kauf- und Verkaufsvirus (buy one and get one for free) macht weder vor Alter, noch Nationalitaet halt. Daher hatte sich unsere Nachbarin (wohnt im Geschoss ueber uns) gleich mit sportlichem Eifer daran gemacht, die potentiellen Kaeferhorden auf ihre Waren umzulenken.

 

 Auf diese unerwartete Herausforderung, war die andere Nachbarin nicht gefasst, ruestete nochmals nach und holte aus weiteren Untiefen ihres Hauses zusaetzlichen Kram, um die nach jederzeitigem Konsum Abhaengigen auf ihre Seite zu ziehen. Nachdem dieses Manoever nur sehr bedingt Erfolg hatte, war sie so niedergeschlagen, dass sie ihren Frust mit einer Flasche Bier in 30 Grad Hitze zu ertraenken versuchte. Was wiederum die Kaufwilligen freute, da ihr Verkaufseifer damit etwas gebrochen war (Take the whole box for just 5 bucks). Vielleicht war es auch nur eine wirklich sehr ausgefuchste Verkaufstaktik, die jahrelange Uebung voraussetzt, who knows :-)

 

Leider konnten wir diesem ueber alle Massen spannenden und sportlichen Wettkampf der Profis nicht weiterverfolgen, da wir noch einige Vorbereitungen fuer den Kaffeeklatsch am naechsten Tag machen mussten, was auch seine eigenen Tuecken in sich barg. Uta beschloss eine Tiramisu zu machen, um ein bischen liebgewonnenes italienisches Flair in den heissen kalifornischen Sonntagnachmittag zu bringen. Ein Rezept war gleich zur Hand und es klang eigentlich ganz einfach: Mascarpone oder alternativ Quark mit Creme fraiche, Zitrone, Eier, Weinbrand, Kakaopulver & Loeffelbiskuit. Also in den naechsten Grocery-Store (Supermarkt). Da war es dann, das Problem. Zitrone & Eier waren ja gleich gefunden. Mascarpone ist hier so unbekannt wie Eschelbronn oder Buende. Aber wir hatten ja einen Alternativplan Quark & Creme fraiche; soweit so gut, nur dies war auch nicht unbedingt eine grosse Hilfe. Es gibt hier zwar alle moeglichen Arten von Low fat cheese und aehnnlichem, aber Quark zu finden ist fast so schwer wie ein Edelweiss auf einer Bergtour. Die beste Naeherung war ein koerniger Frischkaese, den wir anschliessend mit dem Ruehrgeraet gezwungen haben, sich zu benehmen wie ein Quark :-). Auch weiss ich jetzt, dass Loeffelbiskuit Lady fingers heisst (lag ja eigentlich nah…). Es war auf jeden Fall schon lustig bei der Zubereitung und die Gaeste sagten, es schmeckt interessant (was auch immer das heissen mag), wir fanden es schmeckt super (zumindestens fuer USA, ein italienisches ‘Entwicklungsland’ auf den ersten Blick).

Um nicht den ganzen Sonntag zu ‘vertroedeln’ sind wir dann gegen Spaetnachmittag noch nach San Francisco gefahren, um uns von der Hitzeschlacht (ueber 30 Grad im Schatten) wieder etwas abzukuehlen; die Moeglichkeiten hier in der Bay Area sind einfach klasse, vom Einkaufen italienischer Spezialitaeten mal abgesehen, aber wahrscheinlich muessen wir hierfuer noch Salvatores Im- & Exportladen entdecken…

In San Francisco fanden wir wettertechnisch eine andere Welt, mindestens 10 Grad kaelter und Nebel. Wir hielten es bisher fuer ein Maerchen, dass San Francisco im Sommer meistens im Nebel liegt, aber die Fakten sprachen eine eigene Sprache.

 Die Seehunde am Pier 39 sind dieses Wetter wohl gewohnt, sie kuschelten sich eng aneinander und genossen den Blick auf Alcatraz, naja man konnte es mehr erahnen unter einer Nebeldecke als wirklich sehen. Sie hatten eine muntere Unterhaltung, der wir jedoch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht richtig folgen konnten (sprechen amerikanische Seehunde anders als deutsche?….).

Uta versuchte dem Konzert zu lauschen und dachte wohl darueber nach, wieviele tolle Mauern wohl Alcatraz hat, die man beklettern koennte. Aufgrund der schlechten Sicht, konnte sie jedoch nicht richtig den Schwierigkeitsgrad ausmachen und ist wohl heute noch unschluessig, welche Hilfsmittel notwendig sind, fuer eine Besteigung. Viele der Insassen hatten wohl aehnliche Gedanken wie Uta, aber aus einem ganz anderen Beweggrund. Ihnen ging es in erster Linie um den Abstieg von der Mauer als um einen technisch perfekten Aufstieg…

San Francisco bietet fuer jeden etwas zum Traemen, zur Sehnsucht, zum Geniessen, zum Schauen und verbreitet gute Laune. Und das beste: es ist nur einen Katzensprung von uns weg (ok, nicht fuer jeden der es jetzt gerade liest, aber fuer jeden der uns besuchen kommt :-)  )

Bis bald!

 

 

 

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