Archiv für Juni 2008

Hippies forever – Ashbury Haight

Juni 27, 2008

Dass San Francisco eine sehr spezielle Stadt ist, merkt man sofort, wenn man einmal inmitten der Huegel und Cable Cars entlang schlendert. Sie bietet wirklich fuer jeden Geschmack eine sehr eigene und charmante Erlebniswelt. Um eine weitere Portion dieses Gefuehls von Grossstadt und Abenteuer zu erleben, entschieden wir uns, eine der schraegsten Ecken der City (wie die Leute hier San Francisco liebevoll nennen) naeher kennenzulernen. Nach den letzten Pisa-Tests wissen sicher alle von euch, dass San Francisco seit den spaeten 60ern als ein Zentrum der Hippie Kultur gilt. Dieses Zentrum - Ashbury Haight, die Kreuzung der Strassen Ashbury und Haight Street, war also schnell in unsere Susi (unser hilfreiches Navi) getippt. Manche von euch, die damals schon jung waren (und es heute natuerlich immer noch sind) bekommen jetzt wohl melancholische Gefuehle. ‘All you need is love’, ‘Flower Power’, ‘Make love not war’, das war das Lebensgefuehl einer ganzen Generation, die mit allem brechen wollte, was bis dahin bekannt war und als Normalitaet galt. Alles Vergangenheit? Nicht so ganz, also zumindestens nicht fuer alle und fuer jeden Ort… Aber ihr werdet es gleich sehen und lesen. Also nochmals zum mitschreiben und lesen, die damals noch nicht geboren waren oder in der Schule bei diesem Stoff gerade gefehlt hatten: Ashbury Haight war eines der Hauptzentren der Hippie Bewegung, die die Kultur und das Denken einer ganzen Generation massgeblich beeinflusst hat. Es war der Schmelztiegel fuer Aussteiger aus der ganzen Welt, die hier an den Grundfesten der bisherigen Gesellschaft ruettelten und alles bisherige durch ein neues Glueck ersetzen wollten. Musiker wie Janis Joplin oder Jefferson Airplane wohnten in dieser Strasse und komponierten hier die Lieder, die der Welt von diesem neuen Lebensgefuehl erzaehlten. Also dank Susie nichts wie hin. Hallo Hippies von gestern und heute, wir sind gleich bei euch :-)

Als wir dort ankamen, war bereits der Teufel los. Menschenmassen liefen durch die Strassen, angezogen von Musikfetzen, aussergewoehnlichen Menschen und Outfits sowie der Suche nach einem Abenteuer an diesem sonnigen Tag. Wir erfuhren, dass ausgerechnet heute das jaehrliche Hippiefestival stattfindet, ein totaler Glueckstreffer. Wir liefen die Haight Street hoch und sahen zu Beginn die aeusserst filigrane und charmante Saengerin, die ihr Liedchen traellerte. Der wahrgewordene Traum aller Schwiegermuetter :-) . Ihrer Stimme nach zu urteilen, hatte sie die richtige Entscheidung getroffen und ihre Karriere nicht als Primaballerina versucht:

Ein vielversprechender Anfang. Weiter, angelockt von bunten Farben, interessanten Klamotten tauchten wir tiefer ein in dieses Strassenfest des Anderen und Ungewoehnlichen. Wir hatten nicht ganz die Farben der Kleidung getroffen, was hier so en vogue war. Aber man konnte gegen harte Dollars und gute Worte die Verkaeufer dazu ueberreden, sich von liebgewonnenen Dingen zu trennen. Es gab fuer jedes Alter das entsprechende Outfit zu erwerben:

Man kann ja nicht frueh genug anfangen, sich in gutem Geschmack zu ueben ( :-) ). Diese textilen Farbreize wurden untermalt von weiteren Highlights, die man in anderen Gefilden doch nur selten zu Gesicht bekommt. Am naechsten Stand hatte sich Willi (der Freund von Biene Maja, der inzwischen auch schon etwas aelter ist und eine Brille benoetigt) niedergelassen und selbst produzierte Kerzen verkauft (die ganz sicher aus gefaerbtem Bienenwachs bestanden):

Kaum hatten wir uns von unserem Bienenfreund losgerissen und einige Meter weiter nach vorne gekaempft, erblickten wir ein weiteres Paar, das eine Mischung aus Hippie, Asterix und Wikinger in einem Gesamtkunstwerk verkoerperte. In der Auslage hatten sie gluecklich machende Nuesse und Gemuese. Leider war ihnen nicht zu entlocken, mit welchen Rezepturen sie die Nuesse behandeln, um diesen Effekt zu haben. Auf jeden Fall fanden sie ihr Geweih klasse und ausserdem freuten sie sich ueber die Sonne und den schoenen Tag:

Wir hatten uns gerade von diesen Koestlichkeiten losgerissen, da entdeckten wir einen ueberdimensionalen schwarzen Hasen mit weissen Ohren und Zylinder unter den Gaesten (oder kam das von den Gluecksnuessen?):

Ein Stueckchen weiter trafen wir auf eine Gruppe, die wohl schon zur Gruendung der Hippiekultur sich hier eingefunden hatten und dies so klasse fanden, dass sie hier sich niedergelassen haben. Ok, sie sind auch etwas aelter geworden, aber noch genauso cool und frei wie damals. Was sind schon ein paar Jaehrchen im Vergleich zur unendlichen Glueckseligkeit? Aufgrund ihres eisernen Entsagens von Fernsehen und Zeitungen, haben sie ihre Mode und Haarschnitte der aktuellen Mode nur sehr bedingt angepasst.

Neben der etwas reiferen Ausgabe dieser Art von Fundamental-Hippies fanden sich auch andere Hohepriester aller Herren Laender an diesem Tag hier ein, um sich neue Inspiration fuer die naechsten Belehrungen ihrer Juenger zu holen. Weiterbildung ist in jedem Bereich wichtig und Inspiration ist ebenfalls unverzichtbar:

Als naechstes lief mir eine total abgefahrene Braut ueber den Weg. Ich hatte irgendwie das Gefuehl, dass ich sie irgendwoher kenne, aber das kam vielleicht von den Gluecksnuessen oder dem suesslichen Geruch, der mir in die Nase gestochen war:

Noch in Gedanken „woher kenne ich diese huebsche Frau nur?’ wurde die Aufmerksamkeit auf eine verjuengte Version eines Adriano Celentano gelenkt, der mit seiner Gitarre die Grundlagen fuer eine weitere neue Weltkarriere legte. Was Janis Joplin und andere von hier aus geschafft haben, ist Ansporn genug:

Hier war irgendwie fuer jeden und alles Platz, gar kein Problem. Beschwingt von Musik, Bildern, Bier, Farben und Leuten hatten sich manche in eine glueckseelige Trance getanzt. Das Spektrum reichte von der gruenen Baerenmuetze ueber Batik-Shirts bis zum freien Oberkoerper mit Schottenrock, alle vereint in gute Laune und mehr oder wenig guter Musik.

Da behaupte mal einer, die Hippiekultur ist von vorgestern – Hippie lives forever. Wer es nicht glaubt, der muss herkommen und sich selbst ueberzeugen und sich ein kleines bischen von der Verruecktheit anstecken lassen.

Bis bald!

Point Lobos Park – Big Sur Teil 4 und Ende dieses Trips, leider!

Juni 21, 2008

So jetzt beginnt der Endspurt. Ihr konntet es wahrscheinlich gar nicht mehr erwarten, oder? Schon vor lauter Spannung die Fingernaegel angeknabbert? Endlich geht es weiter :-)  

Morgens war jetzt Zelt abbauen angesagt (macht eigentlich keinen richtigen Spass) und zusammenpacken. Aber erst einmal einen guten Kaffee und ein tolles Fruehstueck. Wir zauberten French Toast in verschiedenen Kreationen (ok, zumindestens war der Grundgedanke ein French Toast, der letzte hatte z.b. ein Cashewkern-Haeubchen), aber es schmeckte klasse. So gestaerkt gaben wir nun schlussendlich unseren hart erkaempften Campingplatz auf, sattelten die Huehner und auf ging es wieder Richtung Norden. Gut gelaunt fuhren wir die Kuestenstrasse entlang.

Kein Wunder, es gab tolles Wetter und eine traumhafte Landschaft. Unser erster Punkt war der Julia Pfeiffer Park and McWay Falls. Viele bezeichnen diese Stelle als eines der schoensten Flecken der Erde. Das konnten wir uns auf keinen Fall durch die Lappen gehen lassen. Also Auto geparkt und dem Trail gefolgt zur verheissenen Stelle. Das Bild, das sich dann bietet ist wirklich unbeschreiblich:

 

Der Reisefuehrer beschreibt es als die dramatische Land-Wasser Verbindung. Das ganze wird nach unten hermetisch abgeriegelt, man kann es von oben anschauen, aber nicht an den Strand hinuntergehen. Zwar einerseits sehr schade, aber andererseits wohl das Geheimnis, warum es noch so schoen aussieht. Also wenn ihr hier entlang kommt, auf jeden Fall stoppen, wenn ihr soviel landschaftliche ‘Dramatik’ sehen wollt.

Wir konnten uns wirklich nur sehr schwer von diesem Fleckchen Erde losreisen, es hatte etwas paradiesisches. Uta und Miro ueberlegten sich verschiedene Wege, um auf dem Wasserweg dieses Paradies zu entern; sie konnten sich nur nicht einigen, ob Seekajak oder Bodyboard das besser geeignete Gefaehrt ist. Aber das Betreten des Paradieses ist ja schon einmal schiefgegangen in der Geschichte der Menschheit… Also entschieden wir uns, das Glueck dieses Mal nicht herauszufordern, sondern blieben brav auf dem Weg.

Nun aber weiter, genug getraeumt von der einsamen Insel! Das naechste Highlight wartete schon in Form eines weiteren tolllen Parkes, genannt Point Lobos State Reserve. Der Park gehoert nicht zu den National Parks, daher ist hier nochmals eine Gebuehr faellig. Also wieder mal 10$ dem freundlichen Ranger gegeben und dafuer eine Karte bekommen. Point Lobos muesst ihr auf jeden Fall besuchen, es ist sehr beeindruckend, was man hier landschaftlich zu sehen bekommt. Ihr solltet schon etwa 3-4 h hierfuer einplanen, dies lohnt sich aber. Der amerkanische Way of doing ist, dass man von Parkplatz zu Parkplatz faehrt und aussteigt, um die unterschiedlichste Landschaftsbilder zu sehen. Man kann es aber ohne Probleme auch komplett zu Fuss machen, was eine nette Rundwanderung ist. Und ihr seid ja auch nicht zum Spass hier, das ist doch kein Ponyhof! Also nicht faul sein, eine Flasche Wasser und was zum Knabbern mitnehmen und los gehts.

Man kommt an den unterschiedlichsten Landschaften vorbei. Angefangen von weissen Straenden mit klarem Wasser, an denen man sich sogar teilweise hinlegen kann. Weiter geht es dann zu eher steinigen Kuesten mit vielen kleinen Steininseln, die oftmals von Voegeln oder Seehunden als Tummelplatz genutzt werden.

Es gibt natuerlich noch ganz andere wilde Tiere in diesem Park. Sich Ihnen zu naehern kostet einige Ueberwindung der inneren Angst. Es soll ja auch schon Tode gegeben haben. Ich habe dieses wilde Tier aus diesem Grund mit einem Blitzlicht ueberrascht und fast von seinem Platz gefegt. Naja der Ueberraschungsmoment war auf meiner Seite. Wahrscheinlich hat er in den naechsten Minuten nichts mehr gesehen und wir konnten uns in dieser Zeit in Sicherheit bringen ( :-) ).

Danach ging es weiter in einen sehr bewaldeten Bereich des Parks. Hier sieht man bizarre Baeume, die viele Klettertiere anziehen, um ihr Unwesen zu treiben und den Touristen auflauern. Sie erschrecken den Feind mit ihrem unerwarteten Knurren, um ihn in eine Angststarre zu versetzen und dann unerbittlich zuzuschlagen. Wehe dem, der in ihre Krallen kommt :-)

Immer wieder sieht man dann durch das Dickicht der Baeume die fantastische Seelandschaft, so dass man unvermittelt stehen bleibt und die Seeluft, die Farben und Bilder auf sich wirken laesst. Ein tolles Urlaubsgefuehl.

Folgt man dem Weg weiter, kommt man an ein altes Walfaengerhaeuschen, das einige der damaligen Utensilien ausgestellt hat. Es liegen einige Knochen von Grauwalen, die doch eine sehr beeindruckende Groesse haben. Es wirkt eher wie ein Skelett eines gestrandeten Dinosauriers. Wir konnten 2 der Walfaenger direkt vor den Knochen ablichten, diese eher scheuen Menschen sieht man sonst sehr selten:

Nun muessen wir leider wieder den Weg nach Hause antreten, aber fuer ein allerletztes Abschiedsbild hat es doch noch gereicht. Irgendwie habe ich das komische Gefuehl, dass Uta ein bischen Aehnlichkeit mit dem einen Walfaenger vor dem Haus hatte, oder?

Aber liegt wohl doch nur an der aehnlichen Kleidung. Auf jeden Fall war es ein toller Kurzurlaub. Wir werden sicher sowas bald wieder machen, damit es euch nicht langweilig wird. Ja so sind wir, opfern uns fuer euch! :-)

Bis bald

Praktische Reisetips fuer Besucher:

Von uns aus (Redwood City) koennt Ihr direkt nach Westen fahren und kommt nach einer halben bis dreiviertel Stunde zu einem sehr schoenen Kuestenstreifen. (Falls Ihr Lust habt, koennt Ihr zwischendurch bei I35  – Ihr erinnert Euch: Der Skyline Boulevard) einen netten Spaziergang oder Biketour einlegen). Entlang des Highway Number 1 bieten sich immer wieder Parkplaetze fuer Photos an, oder auch, sich an einem der Straende niederzulassen. Nach kurzer Zeit Autofahrt in Richtung Sueden kommt ‘Big Basin’, dort soll man sehr schoene Wanderungen machen koennen, von einem halben Tag bis zu 3 Tagen (das haben wir noch nicht ausprobieren koennen). Ohne Pausen denke ich sind es auf diesem Weg 1,5 Stunden von Redwood City bis Santa Cruz. Dort bieten sich ein Spziergang entlang der Standpromenade an, und ein kurzer Gang durch die Innenstadt: Santa Cruz’s Bevoelkerung scheint grossteils aus  Aussteigern zu bestehen, Geschaefte haben alternatvie Klamotten und Souvenirs, Ihr seht auch 45 Jahre alte Skateboardfahrer. Am Ende ist ein dicker Sandwich bei Subway angesagt (Chickenbreast ist zu empfehlen!). Die Weiterfahrt nach Monterey ist denke ich nur eine gute halbe Stunde, es kam uns jedenfalls so vor. Dort Fischerman’s Wharf und das Aquarium ansehen. Vielleicht erst das Aquarium (Forrest Gump nicht zu vergessen), dann kommt Ihr bei Fisherman’s Wharf mit etwas Glueck am Abend an und koennt dort in einem der sehr nett aufgemachten Restaurants zu Abend essen. Von November bis Mai kann man auch Walfahrten buchen. Ich schaetze dann ist langsam eine Uebernachtung angesagt. Am naechsten Tag koennt Ihr nach Carmel weiterfahren und dort durch das nette Staedtchen laufen. Anschliessend den 17 Miles drive entlang fahren, ausgiebig aussteigen! So nun kommt es drauf an, ob Ihr erst einen etwas steileren Hike die Kueste hoch macht oder erst Point Lobos anschaut. Ich wuerde mir Point Lobos evtl als Pointe bis zum Ende – z.B. auf der Rueckfahrt – aufsparen. Wie weit solltet Ihr an der Kueste nach Sueden fahren: Das kommt ganz darauf an, wie sehr Euch Autofahren nervt: Bis zum Mc Way Wasserfall im Julia Pfeiffer Burns Park zu fahren lohnt sich in jedem Fall (schaetzungsweise 1 h von Carmel, immer entlang toller Kueste!). Wenn Ihr die riesige Seeelefantenkolonie sehen wollt (extrem interessant aber lange Fahrt), muesst Ihr noch einmal von Julia Pfeiffer aus 1,5-2 h einkalkulieren. Ganz in der Naehe ist das Hearst Castle, dort sollte man Tour1 (von 4 Touren) buchen. Es soll gut sein, wir haben es ausgelassen, weil wir mehr als 2 Stunden haetten warten muessen, also vorbuchen falls Interesse!

Kuschelnde Seeelefanten und halsbrecherische Wanderungen – Big Sur Teil 3

Juni 13, 2008

Nach der ersten Nacht in unserem erkaempften Zeltplatz war ein mehrgaengiges Fruehstueck mit Eiern, Schinken und sonstigen Koestlichkeiten sowie einem frisch gekochten Starbucks-Kaffee angesagt, alles zubereitet auf Miro’s neuer Errungenschaft, einem Coleman Benzinkocher. Ich weiss nicht genau ob er gluecklicher ueber den Kocher oder das gebrutzelte Ergebnis war. Wir entschlossen uns vor einer moerderischen Hikingtour zuerst noch ein bischen die Landschaft Richtung Sueden zu erkunden. Auch auf diesem Weg gab es vieles zu entdecken. Immer wieder angezogen durch die sagenhaften Landschaftsbilder, stoppten wir sehr oft, um diese Bilder in uns aufzusaugen. An einer dieser Haltestellen hat Uta mit einem Erdhoernchen sofort Freundschaft geschlossen. Nur gut, dass er uns nicht den einzigen Autoschluessel entwendet hat…

Auf einem weiteren Aussichtspunkt wurden ‘real wildlife’ per Schilder angekuendigt. Wir als Outdoor erprobte Hardcore-Camper (wenn wir erst einmal einen Campingplatz haben :-) ), konnten uns dies natuerlich nicht entgehen lassen. Was werden wir wohl hier sehen? Kaempfende Orcas, ein Heer von Haien, die den Strand unsicher machen oder schlafende Bergloewen, die sich am Strand einen netten Mittag machen? Gestaerkt und wagemutig von unserem ersten Zusammentreffen mit den auesserst gefaehrlichen Erdhoernchen, wagten wir uns in das naechste Abenteuer. Kaum hatten wir kommandoartig das Auto verlassen, sahen wir folgendes Bild:

Ein ganzer Strand voll mehr oder weniger schlafender Seeelefanten. Es sah aus, als haetten sie alle die Nacht in einer Strandparty durchgefeiert und zuviel Alkohol getrunken und erholten sich jetzt von diesen Strapazen am netten Sonntagmittag am Strand. Soweit das Auge reichte, lagen hier Seeelfanten. Bei naeherem Hinsehen bemerkten wir, dass sie darauf aus waren, sich an sich zu kuscheln. immer wieder machte sich einer auf und davon, dem das ganze zu eng wurde. Nur musste er bei dieser Gelegenheit ueber die anderen Kumpels hinwegrobben, was diese alles andere als toll fanden und diese Aktion mit einem lauten Roehren oder auch Beissen quittierten:

Immer mal wieder kam auch einer aus dem erfrischenden Bad zurueck an den Strand. Aber die durchzechte Nacht hat noch massive Auswirkungen auf die Kondition (ja, ja der Alkohol, die Jungs wissen einfach nicht wann sie zuviel haben :-) ), nach 3-4 Metern mussten sie sich erst einmal wieder einige Minuten ausruhen, bevor sie dann die naechsten Meter in Angriff nahmen. Ein Schauspiel, von dem man sich nur schwer wieder losreisen konnte:

Nun aber zurueck zu unserer anstehenden Wanderung. Wir hatten uns einen Fuehrer gekauft, der zwar unzaehlige Vorschlaege von tollen Wanderungen hatte, nur hatte er leider vergessen zu beschreiben, wie man zum Anfang einer solchen Wanderung findet (vielleicht wollte er einen Teil 2 verkaufen How to get there?). Wir irrten daher etwas umher und konnten trotz aller Pfadfindertaktik und Hochalpinerfahrung kaum was brauchbares finden. Daher befragten wir einen Ranger, der uns eine Wanderung inklusive dem zugehoerigen Anfahrtsweg beschrieb. leider konnten wir nur noch ein kuerzere Wanderung angehen, da es mittlerweile doch auch schon etwas spaeter war. Also den Feldweg hoch, vorbei an der Kirche und die Wanderschuhe an. Kalifornische Wildnis, wir sind nun da! Also liefen wir den ersten berg hoch, dann wieder etwas runter, immer wieder tolle Blicke auf dem Pazifik. Wir schraubten uns etwas hoeher, dann ging es durch den Wald. Wir vermuteten, dass gleich der richtige Hike losgeht, da es bisher mehr einer Waldwanderung glich mit breiten Wegen. Aber was war das? Wir hatten das Ende der Wanderung errreicht, der Weg endete einfach im Nichts.

Aber das war wohl schon weit mehr, als das was der Durchschnittsamerikaner bei einem Hike laeuft. Aber alles Weinen, Lachen, Schreien oder Lamentieren half nichts, die Wanderung war zu Ende und wir konnten nur den gleichen Weg wieder zurueck laufen. Der ganze Weg hatte nun nur etwas mehr als 2,5 h gedauert, nichts womit wir in irgendein sinnvolles Buch der Rekorde Erwaehnung finden werden. Aber war trotzdem sehr lustig. Auf dem Heimweg wollten wir in Gorda noch etwas Fisch fuer das Abendessen kaufen. Gorda ist der Ueberrest einer Minisiedlung aus der Goldgraeberzeit. hier hatte man irgendwie nicht registriert, dass der Pazifik so nah ist, aller moeglicher Kram in dem Store, aber kein Fisch. Aber wir hatten eine andere Entdeckung unfreiwillig gemacht. Die wohl teuerste Tankstelle in Kalifornien, das Benzin kostete ca. 50% mehr als an jeder anderen Tankstelle. Sie hatten wohl zu fruehreren Zeit Oel gegen Gold getauscht, aber leider konnten wir ihnen diesbezueglich nichts bieten.

Als wir wieder auf den Campingplatz nach erfolglosem Fischfang zurueckkamen, der naechste Schock. Unser Campingplatz war mit einem anderen Auto belegt und unsere Grillstelle bereits in Betrieb. Leider hatte sowohl Miro als auch ich die Schusswaffen zuhause gelassen, so dass wir nicht wirklich fuer dieses Event richtig geruestet waren. Also Diplomatie, notgedrungen! Nach einem kurzen Gespraech stellte sich heraus, dass der Besetzer den Platz legal reserviert hatte und der vorige (der ja netterweise fuer/vor uns abgereist war) nur fuer eine weitere Nacht gebucht hatte. Hat der Neue nochals Glueck gehabt. Nur was jetzt? Einen Platz weiter war ebenfalls jemand abgereist. Es hing zwar auch ein verraeterisches RESERVED Schild an diesem Platz, aber wir beschlossen, wer bis jetzt nicht auf dem Platz eingetroffen ist, hat sein Anrecht auf dem Platz verwirkt. Also schnell Grill anwerfen und den Platz besetzen. Nach der schiefgegangenen Fischnummer mussten wir unseren Speiseplan umstellen und entsprechend den vorhandenen Vorraeten improvisieren. Also machten sich alle 3 von uns daran, der Kochkreativitaet freien Lauf zu lassen. Ihr werdet es nicht glauben, aber wir zauberten wirklich ein tolles Essen hin.

Wir waren gerade mitten am Grillen, als ein neuer Eindringling es wagte, Besitzrechte an den Platz anzumelden. Das Gute dabei war, dass es eine Gruppe von mehreren Campern war, die zusammen einen groeseren Platz suchten. Daher konnten wir auf unserem Platz bleiben, wir mussten nur ein weiteres Auto bei uns dulden. Na ja, wir machten mal ein Ausnahme und zeigten uns von unserer sozialen Seite. Daraufhin liessen wir erst mal einige Coronakorken knallen und genossen unser Gourmet-Essen.

Morgen muessen wir leider schon wieder abreissen. Aber dafuer haben wir uns ein weiteres Highlight aufgehoben. Die Spannung steigt nun ins unermessliche. Also weiterhin dran bleiben.

Bis bald!

Walk-In Campgrounds oder Campen mit Hindernissen (Big Sur Teil 2)

Juni 5, 2008

Na, schon gespannt wie es weitergeht? Habe ich mir doch gedacht (und auch ein bischen gehofft) :-) . Aber endlich hat das Warten ein Ende, the adventure is going on …

In Carmel starteten wir in den 17 Miles Drive, einen Rundweg an der Kueste vorbei an Pacific Grove und Pebble Beach, einer total schoenen und urspruenglichen Landschaft. Erst einmal knapp 10 Dollar berappen, um den freundlichen Ranger am Entry Point nicht zum aeussersten zu treiben (ich dachte Raubritter sind eigentlich abgeschafft), aber es gab hierfuer zumindestens eine Karte mit den wichtigsten Aussichtspunkten oder Vista Points, wie die Amerikaner dies bezeichnen. Ausserdem lernt man was ueber das Gebiet: 1602 (die sind sich aber sehr sicher mit den Jahreszahlen) entdecken und kartografieren die Spanier die Monterey Halbinsel. 1880 eroeffnet das erste Hotel, 1919 der erste Golfplatz und 1929 das erste nationale Golftournier in Pebble Beach, also eine sehr geschichtstraechtige Gegend. Insgesamt gibt es 21 Punkte, an denen es etwas besonderes zu sehen gibt (keine Angst, ich erzaehle nicht ueber alle etwas, sondern nur ueber die 20 wichtigsten :-) ). Zu Anfang sieht man einen huebschen Sandstrand, der dann immer mehr in eine Steinkueste uebergeht (mein Geografielehrer wird mir vielleicht irgendwann verzeihen…) und sehr typisch fuer diese Gegend ist.

Einer der sehr beeindruckenden Punkte ist der Bird Rock (Vista Point 10 fuer die Buchhalter). Hier tummeln sich eine Unzahl an Seevoegeln (das war ja auch ziemlich schwer zu erraten) und eigentlich noch mehr Robben, die hier heimisch sind. Es ist total klasse dieses Treiben zu beobachten:

Ein wirkliches Must-See ist das Wahrzeichen dieser Gegend, the lone cypress. Diese Zypresse steht seit mehr als 250 Jahren auf dem Fels und ist sicher einer der meistfotografierten Baeume der Gegend. Man muss auch wirklich zugeben, das Bild hat etwas:

Wer auch immer fuer das Giessen dieses Baumes zustaendig ist, er hat einen guten Job gemacht. Der Baum wirkt wie ein ueberdimensionaler Bonsai (irgendwie Paradox). Es eignet sich natuerlich auch fuer ein huebsches Hintergrundbild fuer uns (diese Idee hatte sicher noch keiner vor uns gehabt :-) ).

Nun aber weiter der Kueste entlang nach Big Sur, das eigentliche Ziel unserer Reise. Es ist nun auch so langsam an der Zeit einen Campingplatz zur Uebernachtung zu finden. Nach unserem Reisefuehrer sind hier unzaehlige Campingplaetze, so dass es eine Leichtigkeit sein sollte, einen zu finden. Die meisten sind als Walk-In ausgezeichnet, worauf wir uns (noch) keinen richtigen Reim machen konnten. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass dies wohl bedeutet, dass man hier nicht im voraus reservieren muss, sondern einfach nur reingehen und sagen hier bin ich, wo ist mein Platz (ganz klar: walk in and call it home). Nachdem wir die ersten Campingplaetze links liegen liessen, da wir ja weiter suedlich wollten, haben wir uns entschlossen den naechsten anzusteuern. Doch welch boeses Schild will uns hier den Zutritt vermiessen: Campground full! Das muss ein Versehen sein, wir fahren also rein und schauen uns um. Leider war das Schild korrekt und wir machten uns auf den Weg zum naechsten. Einen Grossteil der Campingplaetze (ihr wisst, diese Walk-In) haben von der Strasse keinen erkennbaren Zugang, bis uns klar wurde, was dieses Walk-In bedeutet. Auto parken, alles Gepaeck, Essen, Getraenke, Socken und Zelt auf den Ruecken packen und den Berg in nicht vorhersehbare Weite hochkraxeln, um dann vielleicht irgendwann den Campground zu finden. Wir hatten jedoch nicht unbedingt fuer diese Variante gepackt. Unsere Campingplatzauswahl war somit auf ca. 10% der gedachten Menge geschrumpft. Aber nicht unterkriegen lassen und die gute Laune behalten (was nicht schwer ist :-) ).

An der Zufahrt zum naechsten wieder dieses Schild, das Unheil versprach: Campground full! Der Ranger an der Einfahrt, den wir nach einem freien Platz fragten (es war schon ca. 18 Uhr), hatte sich fast vor Lachen auf die Schenkel geklopft und meinte, dass er auch den vielen anderen, die HEUTE MORGEN nach an einem freien Platz fragten nicht sagen konnte, wo es noch ein Plaetzchen gibt. Aber er wuenschte uns auf jeden Fall viel Glueck. Zu nett, THANK YOU!!! Wir sahen uns schon nach einem Motel Ausschau halten, aber hierfuer ist diese Gegend eigentlich zu stark Outdoor und ausserdem sitzen da sicher schon die vermeintlichen Camper, die heute morgen bereits gesucht haben. Also den naechsten anfahren, hier sieht es zumindestens nach mehreren freien Plaetzen aus. Zumindestens auf den ersten Blick. Als wir dann naeher kamen prangten an diesen freien Plaetzen gut leserliche RESERVED Schilder, auch nicht besser als Campground full. Als wir bereits wieder rausfahren wollten, kam eine Amerikanerin auf uns zu und sagte, dass an einem der Plaetze heute ein Gast vorzeitig abreisen musste. Unglaublich, aber wir hatten wahrscheinlich den letzten verfuegbaren Platz in Suedcalifornien ergattert, man muss Glueck haben. Innerhalb von 10 Minuten hatten Miro, Uta und ich unsere Zelte aufgestellt, das war knapp! Also schnell Grill angeworfen und Feuer gemacht, real american camping!

Wir wurden dann noch mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang belohnt, was wir uns ja auch wirklich verdient hatten.

Morgen ist dann Hiking angesagt. Aber nun erst einmal auf den Schock ein Corona trinken. Prost! Ihr habt es schon geahnt, die Story von Big Sur ist noch nicht zu Ende.

Bis bald!