Kuschelnde Seeelefanten und halsbrecherische Wanderungen – Big Sur Teil 3

By chrisuti

Nach der ersten Nacht in unserem erkaempften Zeltplatz war ein mehrgaengiges Fruehstueck mit Eiern, Schinken und sonstigen Koestlichkeiten sowie einem frisch gekochten Starbucks-Kaffee angesagt, alles zubereitet auf Miro’s neuer Errungenschaft, einem Coleman Benzinkocher. Ich weiss nicht genau ob er gluecklicher ueber den Kocher oder das gebrutzelte Ergebnis war. Wir entschlossen uns vor einer moerderischen Hikingtour zuerst noch ein bischen die Landschaft Richtung Sueden zu erkunden. Auch auf diesem Weg gab es vieles zu entdecken. Immer wieder angezogen durch die sagenhaften Landschaftsbilder, stoppten wir sehr oft, um diese Bilder in uns aufzusaugen. An einer dieser Haltestellen hat Uta mit einem Erdhoernchen sofort Freundschaft geschlossen. Nur gut, dass er uns nicht den einzigen Autoschluessel entwendet hat…

Auf einem weiteren Aussichtspunkt wurden ‘real wildlife’ per Schilder angekuendigt. Wir als Outdoor erprobte Hardcore-Camper (wenn wir erst einmal einen Campingplatz haben :-) ), konnten uns dies natuerlich nicht entgehen lassen. Was werden wir wohl hier sehen? Kaempfende Orcas, ein Heer von Haien, die den Strand unsicher machen oder schlafende Bergloewen, die sich am Strand einen netten Mittag machen? Gestaerkt und wagemutig von unserem ersten Zusammentreffen mit den auesserst gefaehrlichen Erdhoernchen, wagten wir uns in das naechste Abenteuer. Kaum hatten wir kommandoartig das Auto verlassen, sahen wir folgendes Bild:

Ein ganzer Strand voll mehr oder weniger schlafender Seeelefanten. Es sah aus, als haetten sie alle die Nacht in einer Strandparty durchgefeiert und zuviel Alkohol getrunken und erholten sich jetzt von diesen Strapazen am netten Sonntagmittag am Strand. Soweit das Auge reichte, lagen hier Seeelfanten. Bei naeherem Hinsehen bemerkten wir, dass sie darauf aus waren, sich an sich zu kuscheln. immer wieder machte sich einer auf und davon, dem das ganze zu eng wurde. Nur musste er bei dieser Gelegenheit ueber die anderen Kumpels hinwegrobben, was diese alles andere als toll fanden und diese Aktion mit einem lauten Roehren oder auch Beissen quittierten:

Immer mal wieder kam auch einer aus dem erfrischenden Bad zurueck an den Strand. Aber die durchzechte Nacht hat noch massive Auswirkungen auf die Kondition (ja, ja der Alkohol, die Jungs wissen einfach nicht wann sie zuviel haben :-) ), nach 3-4 Metern mussten sie sich erst einmal wieder einige Minuten ausruhen, bevor sie dann die naechsten Meter in Angriff nahmen. Ein Schauspiel, von dem man sich nur schwer wieder losreisen konnte:

Nun aber zurueck zu unserer anstehenden Wanderung. Wir hatten uns einen Fuehrer gekauft, der zwar unzaehlige Vorschlaege von tollen Wanderungen hatte, nur hatte er leider vergessen zu beschreiben, wie man zum Anfang einer solchen Wanderung findet (vielleicht wollte er einen Teil 2 verkaufen How to get there?). Wir irrten daher etwas umher und konnten trotz aller Pfadfindertaktik und Hochalpinerfahrung kaum was brauchbares finden. Daher befragten wir einen Ranger, der uns eine Wanderung inklusive dem zugehoerigen Anfahrtsweg beschrieb. leider konnten wir nur noch ein kuerzere Wanderung angehen, da es mittlerweile doch auch schon etwas spaeter war. Also den Feldweg hoch, vorbei an der Kirche und die Wanderschuhe an. Kalifornische Wildnis, wir sind nun da! Also liefen wir den ersten berg hoch, dann wieder etwas runter, immer wieder tolle Blicke auf dem Pazifik. Wir schraubten uns etwas hoeher, dann ging es durch den Wald. Wir vermuteten, dass gleich der richtige Hike losgeht, da es bisher mehr einer Waldwanderung glich mit breiten Wegen. Aber was war das? Wir hatten das Ende der Wanderung errreicht, der Weg endete einfach im Nichts.

Aber das war wohl schon weit mehr, als das was der Durchschnittsamerikaner bei einem Hike laeuft. Aber alles Weinen, Lachen, Schreien oder Lamentieren half nichts, die Wanderung war zu Ende und wir konnten nur den gleichen Weg wieder zurueck laufen. Der ganze Weg hatte nun nur etwas mehr als 2,5 h gedauert, nichts womit wir in irgendein sinnvolles Buch der Rekorde Erwaehnung finden werden. Aber war trotzdem sehr lustig. Auf dem Heimweg wollten wir in Gorda noch etwas Fisch fuer das Abendessen kaufen. Gorda ist der Ueberrest einer Minisiedlung aus der Goldgraeberzeit. hier hatte man irgendwie nicht registriert, dass der Pazifik so nah ist, aller moeglicher Kram in dem Store, aber kein Fisch. Aber wir hatten eine andere Entdeckung unfreiwillig gemacht. Die wohl teuerste Tankstelle in Kalifornien, das Benzin kostete ca. 50% mehr als an jeder anderen Tankstelle. Sie hatten wohl zu fruehreren Zeit Oel gegen Gold getauscht, aber leider konnten wir ihnen diesbezueglich nichts bieten.

Als wir wieder auf den Campingplatz nach erfolglosem Fischfang zurueckkamen, der naechste Schock. Unser Campingplatz war mit einem anderen Auto belegt und unsere Grillstelle bereits in Betrieb. Leider hatte sowohl Miro als auch ich die Schusswaffen zuhause gelassen, so dass wir nicht wirklich fuer dieses Event richtig geruestet waren. Also Diplomatie, notgedrungen! Nach einem kurzen Gespraech stellte sich heraus, dass der Besetzer den Platz legal reserviert hatte und der vorige (der ja netterweise fuer/vor uns abgereist war) nur fuer eine weitere Nacht gebucht hatte. Hat der Neue nochals Glueck gehabt. Nur was jetzt? Einen Platz weiter war ebenfalls jemand abgereist. Es hing zwar auch ein verraeterisches RESERVED Schild an diesem Platz, aber wir beschlossen, wer bis jetzt nicht auf dem Platz eingetroffen ist, hat sein Anrecht auf dem Platz verwirkt. Also schnell Grill anwerfen und den Platz besetzen. Nach der schiefgegangenen Fischnummer mussten wir unseren Speiseplan umstellen und entsprechend den vorhandenen Vorraeten improvisieren. Also machten sich alle 3 von uns daran, der Kochkreativitaet freien Lauf zu lassen. Ihr werdet es nicht glauben, aber wir zauberten wirklich ein tolles Essen hin.

Wir waren gerade mitten am Grillen, als ein neuer Eindringling es wagte, Besitzrechte an den Platz anzumelden. Das Gute dabei war, dass es eine Gruppe von mehreren Campern war, die zusammen einen groeseren Platz suchten. Daher konnten wir auf unserem Platz bleiben, wir mussten nur ein weiteres Auto bei uns dulden. Na ja, wir machten mal ein Ausnahme und zeigten uns von unserer sozialen Seite. Daraufhin liessen wir erst mal einige Coronakorken knallen und genossen unser Gourmet-Essen.

Morgen muessen wir leider schon wieder abreissen. Aber dafuer haben wir uns ein weiteres Highlight aufgehoben. Die Spannung steigt nun ins unermessliche. Also weiterhin dran bleiben.

Bis bald!

Schlagworte: , , , ,

Einen Kommentar schreiben