Dass San Francisco eine sehr spezielle Stadt ist, merkt man sofort, wenn man einmal inmitten der Huegel und Cable Cars entlang schlendert. Sie bietet wirklich fuer jeden Geschmack eine sehr eigene und charmante Erlebniswelt. Um eine weitere Portion dieses Gefuehls von Grossstadt und Abenteuer zu erleben, entschieden wir uns, eine der schraegsten Ecken der City (wie die Leute hier San Francisco liebevoll nennen) naeher kennenzulernen. Nach den letzten Pisa-Tests wissen sicher alle von euch, dass San Francisco seit den spaeten 60ern als ein Zentrum der Hippie Kultur gilt. Dieses Zentrum - Ashbury Haight, die Kreuzung der Strassen Ashbury und Haight Street, war also schnell in unsere Susi (unser hilfreiches Navi) getippt. Manche von euch, die damals schon jung waren (und es heute natuerlich immer noch sind) bekommen jetzt wohl melancholische Gefuehle. ‘All you need is love’, ‘Flower Power’, ‘Make love not war’, das war das Lebensgefuehl einer ganzen Generation, die mit allem brechen wollte, was bis dahin bekannt war und als Normalitaet galt. Alles Vergangenheit? Nicht so ganz, also zumindestens nicht fuer alle und fuer jeden Ort… Aber ihr werdet es gleich sehen und lesen. Also nochmals zum mitschreiben und lesen, die damals noch nicht geboren waren oder in der Schule bei diesem Stoff gerade gefehlt hatten: Ashbury Haight war eines der Hauptzentren der Hippie Bewegung, die die Kultur und das Denken einer ganzen Generation massgeblich beeinflusst hat. Es war der Schmelztiegel fuer Aussteiger aus der ganzen Welt, die hier an den Grundfesten der bisherigen Gesellschaft ruettelten und alles bisherige durch ein neues Glueck ersetzen wollten. Musiker wie Janis Joplin oder Jefferson Airplane wohnten in dieser Strasse und komponierten hier die Lieder, die der Welt von diesem neuen Lebensgefuehl erzaehlten. Also dank Susie nichts wie hin. Hallo Hippies von gestern und heute, wir sind gleich bei euch
Als wir dort ankamen, war bereits der Teufel los. Menschenmassen liefen durch die Strassen, angezogen von Musikfetzen, aussergewoehnlichen Menschen und Outfits sowie der Suche nach einem Abenteuer an diesem sonnigen Tag. Wir erfuhren, dass ausgerechnet heute das jaehrliche Hippiefestival stattfindet, ein totaler Glueckstreffer. Wir liefen die Haight Street hoch und sahen zu Beginn die aeusserst filigrane und charmante Saengerin, die ihr Liedchen traellerte. Der wahrgewordene Traum aller Schwiegermuetter
. Ihrer Stimme nach zu urteilen, hatte sie die richtige Entscheidung getroffen und ihre Karriere nicht als Primaballerina versucht:
Ein vielversprechender Anfang. Weiter, angelockt von bunten Farben, interessanten Klamotten tauchten wir tiefer ein in dieses Strassenfest des Anderen und Ungewoehnlichen. Wir hatten nicht ganz die Farben der Kleidung getroffen, was hier so en vogue war. Aber man konnte gegen harte Dollars und gute Worte die Verkaeufer dazu ueberreden, sich von liebgewonnenen Dingen zu trennen. Es gab fuer jedes Alter das entsprechende Outfit zu erwerben:
Man kann ja nicht frueh genug anfangen, sich in gutem Geschmack zu ueben (
). Diese textilen Farbreize wurden untermalt von weiteren Highlights, die man in anderen Gefilden doch nur selten zu Gesicht bekommt. Am naechsten Stand hatte sich Willi (der Freund von Biene Maja, der inzwischen auch schon etwas aelter ist und eine Brille benoetigt) niedergelassen und selbst produzierte Kerzen verkauft (die ganz sicher aus gefaerbtem Bienenwachs bestanden):
Kaum hatten wir uns von unserem Bienenfreund losgerissen und einige Meter weiter nach vorne gekaempft, erblickten wir ein weiteres Paar, das eine Mischung aus Hippie, Asterix und Wikinger in einem Gesamtkunstwerk verkoerperte. In der Auslage hatten sie gluecklich machende Nuesse und Gemuese. Leider war ihnen nicht zu entlocken, mit welchen Rezepturen sie die Nuesse behandeln, um diesen Effekt zu haben. Auf jeden Fall fanden sie ihr Geweih klasse und ausserdem freuten sie sich ueber die Sonne und den schoenen Tag:
Wir hatten uns gerade von diesen Koestlichkeiten losgerissen, da entdeckten wir einen ueberdimensionalen schwarzen Hasen mit weissen Ohren und Zylinder unter den Gaesten (oder kam das von den Gluecksnuessen?):

Ein Stueckchen weiter trafen wir auf eine Gruppe, die wohl schon zur Gruendung der Hippiekultur sich hier eingefunden hatten und dies so klasse fanden, dass sie hier sich niedergelassen haben. Ok, sie sind auch etwas aelter geworden, aber noch genauso cool und frei wie damals. Was sind schon ein paar Jaehrchen im Vergleich zur unendlichen Glueckseligkeit? Aufgrund ihres eisernen Entsagens von Fernsehen und Zeitungen, haben sie ihre Mode und Haarschnitte der aktuellen Mode nur sehr bedingt angepasst.
Neben der etwas reiferen Ausgabe dieser Art von Fundamental-Hippies fanden sich auch andere Hohepriester aller Herren Laender an diesem Tag hier ein, um sich neue Inspiration fuer die naechsten Belehrungen ihrer Juenger zu holen. Weiterbildung ist in jedem Bereich wichtig und Inspiration ist ebenfalls unverzichtbar:
Als naechstes lief mir eine total abgefahrene Braut ueber den Weg. Ich hatte irgendwie das Gefuehl, dass ich sie irgendwoher kenne, aber das kam vielleicht von den Gluecksnuessen oder dem suesslichen Geruch, der mir in die Nase gestochen war:
Noch in Gedanken „woher kenne ich diese huebsche Frau nur?’ wurde die Aufmerksamkeit auf eine verjuengte Version eines Adriano Celentano gelenkt, der mit seiner Gitarre die Grundlagen fuer eine weitere neue Weltkarriere legte. Was Janis Joplin und andere von hier aus geschafft haben, ist Ansporn genug:
Hier war irgendwie fuer jeden und alles Platz, gar kein Problem. Beschwingt von Musik, Bildern, Bier, Farben und Leuten hatten sich manche in eine glueckseelige Trance getanzt. Das Spektrum reichte von der gruenen Baerenmuetze ueber Batik-Shirts bis zum freien Oberkoerper mit Schottenrock, alle vereint in gute Laune und mehr oder wenig guter Musik.
Da behaupte mal einer, die Hippiekultur ist von vorgestern – Hippie lives forever. Wer es nicht glaubt, der muss herkommen und sich selbst ueberzeugen und sich ein kleines bischen von der Verruecktheit anstecken lassen.
Bis bald!
Schlagworte: San Francisco, Travel








