Lake Powell – oder ich baue mir einen See in der Wueste (Sommerreise Teil 3)

By chrisuti

Nachdem wir am Grand Canyon unsere Zelte abgebrochen hatten, ging es nun weiter in Richtung Lake Powell. Lake Powell ist der zweitgroesste von Menschen errichtete See in den USA. Es wurde ein 255 Meter hoher Staudamm am Colorado River gebaut, der heute auch zur Stromerzeugung benutzt wird. Der See wurde dann ueber 17 Jahre aufgefuellt und hat heute ca. 30 km^3 an Wasserreserven. Gigantisch!

Seit dem Bau des Staudamms gibt es direkt am See auch eine Stadt namens Page, nahe der wir einen Campingplatz aufsuchten. Es ist jederzeit spuerbar, dass hier frueher reines Wuestengebiet war, da die Temperaturen genau diesen Vorstellungen entsprechen (zumindestens im Juli). Der Campingplatz lag etwas von dem See entfernt, so dass die Hoffnung auf ein kuehles Seelueftchen schnell begraben werden musste. Auch hatte der Campingplatz das kleine Manko, dass er nur wenig Baeume bieten konnte, die etwas Schatten spenden sollten. Aber wer erwartet denn schon Baeume in einer Wueste… Uta und Ecki verbrachten eine halbe Stunde damit, einen geeigneten Platz fuer die Zelte auszuwaehlen, was nicht ganz einfach war. “Der Platz hier hat zu wenig Schatten, dieser hier liegt zu nah am Wasserhahn, dieser ist zu nah an der Strasse, hier hat es bestimmt Ameisen, dieser ist zu schraeg, hier knallt die Sonne ab 6 Uhr aufs Zelt… also alles andere als einfach. Aber irgendwann wurde dann doch gemeinschaftlich ein Platz (mit Baeumen!) ausgewaehlt und der Zeltbau bei fast 40 Grad begonnen. Kaum hatten wir die Zelte aufgestellt, kam ein Auto mit 3 Maedels, die uns mitteilten, dass sie von der Campingplatz Rezeption genau diesen Platz zugewiesen bekommen hatten. Wir konnten sie jedoch schnell davon ueberzeugen, dass dies wohl ein Versehen war und verwiesen sie auf den naechstbesten Platz, was sie auch mehr oder weniger schnell annahmen. Puh, das ging gerade nochmal gut, denn keiner hatte auch nur die geringste Lust n dieser Hitze die gerade aufgestellten Zelte wieder umzuziehen. Die Nacht wurde leider bei Christian von einem technischen Defekt seiner sauteueren, hochtechnisierten Luxussupermatte von Mammut getruebt (ja liebe Marketingabteilung von Mammut, die Matte ist totaler Murks!!!!). Es gab einen lauten Knall und damit loeste sich eines der inneren Rueckhaltebaender in dieser Luftmatratze auf, was die Form zuerst leicht veraenderte. Nach und nach fanden dieses Geraeusch die umliegenden inneren Rueckhaltebaender so klasse, dass sie im Chor anstimmten, was jezt doch die Form der Matratze sehr in Mitleidenschaft zog. Die Matratze glich nach kurzer Zeit einer schwangeren Frau. Eine Form, die ein Schlaf darauf nur sehr eingeschraenkt zum wahren Genuss macht. Dies war schon innerhalb weniger Monate die zweite Matte, die diesen Schwangerschaftstod starb. Also alles raus, was der Koffer so an weichen Kleidungsstuecken in einem Sommerulaub in der Wueste hergibt und daraus ein Bett gebaut. ihr koennt euch vorstellen, dass hier einiges an Improvisierungstalent gefordert war. Da Uta leicht friert, konnte ihr Kofferinhalt nun auch mir gute Dienste leisten….

Am naechsten Morgen hatten wir uns ein besonderes Schmankerl vorgenommen. Wir besuchten den ersten der zwei Antelope Canyon. Dieser Canyon ist bekannt fuer sein Lichtspiel im inneren und liegt inmitten des Navajo-Indianergebietes nahe der Stadt Page. Man wird mit einem sandwuestentauglichen Transporter an den Eingang gefahren, um dann in den Canyon abzusteigen. Der Einstieg erfolgt ueber einen sehr schmalen Gang, was die erste Selektion vor allem fuer so manchen Amerikaner darstellt. Der Canyon wurde durch Wassermassen in den roten Sandstein gefraest. Waehrend des Monsunregens wird der Canyon auch sehr oft mit Wassermassen geflutet. Hin und wieder laesst eine Oeffnung das Tageslicht sanft in den Canyon fliessen, was eine tolle Athmosphaere in dem Canyon schafft.

 

Es gibt den Lower und den Upper Antelope Canyon. Beide sind sehenswert und wer ein Faible fuer Fotografie hat, wird sich hier wie im Paradies fuehlen. Rot in allen Toenen, weiche Sandsteinformen mit verschiedenem Lichteinfall, ein Eldorado fuer das Auge! Wem es in der Sonne nur zu heiss ist, findet diesen Canyon auch ziemlich klasse, da er erheblich kuehler ist als die Aussentemperatur. Also fuer jeden etwas. Es geht ueber Leitern auf und ab in dem Canyon, manchmal ist er mehrere Meter breit, dann wieder muss man sich zwischen 2 Sandsteinwaenden durchquetschen. Aber immer wird an der naechsten Rundung ein neues Bild und neue Lichtverhaeltnisse geboten. Vor allem der weniger touristische Lower Antelope Canyon bietet einige steile Leitern und Bruecken aus Stahlschienen, was den Abenteuergrad etwas erhoeht. Welcher Canyon ist schoener? Schwer zu sagen, einfach beide besuchen, wenn ihr Zeit dafuer habt. Fuer jeden muesst ihr etwa 1 – 1,5 h einrechen, aber das Licht in beiden Canyons werdet ihr so schnell nicht vergessen. Total empfehlenswert!

Ueber eine Metallleiter kommt man wieder aus dem geheimnisumwitterten Canyon nach oben heraus. Mit jeder Stufe nimmt die Temperatur einige Grad zu, es ist wie ein langsamer Gang zurueck in einen ueberdimensionalen Backofen. Steht man dann oben auf dem Canyon ist das Wuestenfeeling sofort wieder zurueck. Umgeben von einer gnadenlosen Hitze inmitten einer kargen Steinwueste, man fuehlt sich wie erschlagen (zu sehen am Gang und Gesichtsausdruck von Ecki im naechsten Bild :-) ). Steht man hier, kann man sich vorstellen, wie hart das Leben der Indianer hier im Sommer war. Die Bilder der Karl-May Filme bekommen hier eine ganz neue Perspektive sowie einen Hauch von Realismus (auch wenn diese Filme irgendwo ganz anders gedreht wurden).

Nun aber genug der Canyons fuer heute und zuruck zum See. Dieses kuenstlich geschaffene Nass innerhalb dieser Wueste ist an einem solchen Tag fast unbezahlbar. Wir haben uns eine huebsche Bucht gesucht, was an diesem tollen See nicht allzu schwierig ist. Bewaffnet mit Sonnenbrille, Hut, Sonnencreme (auf keinen Fall vergessen!) und dem besonderen Dessert einer Wassermelone sind wir ein Stueck zu der Bucht hinuntergewandert. Die Melone durfte sich dann auch im See abkuehlen, was sie auch dringend noetig hatte. 

Nachdem wir schweren Herzens nach einigen Stunden den See verlassen mussten, die Sonne forderte trotz der Abkuehlung im Wasser ihren Tribut , machten wir uns auf den Heimweg Richtung Campingplatz. Wir wurden zusaetzlich mit einem tollen Sonnenuntergang belohnt, alles wurde in einen weichen romantischen roten Farbschleier gehuellt, was will man mehr. Im unteren Bild seht ihr nicht das Laecheln der Sonne, sondern Uta die den Sonnenuntergang geniesst. Also irgendwie doch vergleichbar mit einer strahlenden Sonne :-)

Morgen geht es dann weiter in Richtung Monument Valley, aber davon mehr in Kuerze.

Bis bald!

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