Archiv für September 2008

Bryce Canyon – das rote Schloss in der Wueste (Sommerreise Teil 9)

September 5, 2008

Nach einer Uebernachtung im Hotel fuhren wir nun in Richtung Bryce Canyon National Park, wo wir unser Zelt auf einem Campingplatz in luftiger Hoehe weit ueber 2000m hoch aufschlugen. Der Bryce Canyon ist ein beliebtes Urlaubsziel der Amerikaner, da er atemberaubende und sehr ungewoehnliche Landschaftsbilder und Steinskulpturen zeigt. Auf dem Campingplatz angekommen bemerkten wir sehr schnell, dass wir mit unseren Zelten eher zu den minderbemittelten Outdoor-Urlaubern im Vergleich zu dem gewoehnlichen Amerikaner gehoeren. In Amerika gilt das Schlagwort ‘Big is beautiful’ was sich auch an den Wohnmobilen zeigt.

Vielfach haben diese Gefaehrte dann noch einen ausgewachsenen SUV als Anhaenger, um am Zielort ebenfalls mobil zu sein. Das ganze ist dann schon ein sehr interessantes Bild und wuerde wahrscheinlich dem normalen Tuev-Beamten mehr als Runzeln auf die Stirn zaubern. Man sieht auch sehr oft ausgewachsene Grossbusse als Reisemobil ausgebaut, die an beiden Seiten die Moeglichkeit haben, Erker auszufahren, um den Wohnraum dann nochmals zu verdoppeln. So manche 2 Zimmerwohnung hat damit weniger Platz zu bieten als diese Fahrzeuge. Nachdem wir den Campingplatz verlassen hatten, wartete der erste Aussichtspunkt auf den Bryce Canyon National Park auf uns. Sehr interessiert stiegen wir aus und liefen eine Anhoehe hoch, bisher war alles zwar huebsch, jedoch nicht ‘dramatic’, wie der Amerikaner sagen wuerde. Aber was wir dann sahen, uebertraf doch jede Erwartung:

Es ist wie eine eigene Welt, die Jahrtausende unter einer Muschelschale geschuetzt sich entwickeln konnte und sich nun in voller Schoenheit den Touristen praesentiert, die hier vor Ort kommen. Man kann einfach nur stehen, staunen und Formen, Farben und Licht auf sich wirken lassen. Es gibt hierbei Gesteinsgruppen, die jeweils einen ganz eigenen Charakter und Struktur haben, wie z.B. diese hier:

Ein Meer von erstarrten roten Wellen, eng gereiht und ein Kontrapunkt zu dem schlossartigen Gebilden auf der anderen Seite. Man kann den Bryce Canyon sehr gut mit einer sehr tollen Wanderung aus der Naehe sich anschauen und kann in die Welt der roten Tuerme komplett eintauchen. Es ist wie ein grosses rotes Schloss mit vielen Gaengen, was es zu erkunden gilt. Eine Art natuerliches in rot gehuelltes Neuschwanstein.

Man laeuft zuerst hinab in die Ebene des Canyon, was ueber einige steile serpentinenartige Wege sehr gut zu erreichen ist. Das erste Stueck ist sehr angenehm, da es fast komplett im Schatten liegt. Ist man unten angelangt, so ragen die Gesteinswaende meterhoch in Richtung Himmel. Es sind wie ueberdimensional hohe Gaenge in einem Irrgarten. Mit jedem dieser Gaenge veraendern sich Farben und Licht, alles eingehuellt in einen rotscheinenden angenehmen Schleier.

Im Inneren dieses Gebildes gibt es wieder weite Flaechen, die auch entsprechende Vegetation aufweisen. Die Wanderung wird dadurch sehr abwechslungsreich und bietet fuer jeden etwas. Da man doch einige Stunden in dem Canyon verbringt, ist es notwendig, genuegend Wasserreserven mitzunehmen, zumindestens wenn man im Sommer hier unterwegs ist. Wenn man das beruecksichtigt und ein Faible fuer solche Naturschoenheiten hat, dann ist es ein ganz grosses Erlebnis hier zu sein.

An jeder Ecke bietet sich ein anderer Blick und man weiss gar nicht, wo man ueberall hinschauen soll, um alles in sich aufzusaugen. Man kann auch Bilder entdecken, die man an anderer Stelle auch aehnlich schon gesehen hat, wie z.B. den Balanced Rock, den es hier gleich als Zwilling zu sehen gibt (ok etwas kleiner, aber dafuer sind es auch 2 :-) ).

Der Bryce Canyon war wirklich ein sehr toller Abschluss unserer kleinen Sommerreise und auch ein Highlight unter den tollen Dingen, die wir hier gesehen haben. Es hat uns total viel Spass gemacht und es war toll, dass wir diese Reise mit Luzi und Ecki machen konnten, die noch einige Wochen mehr unterwegs sein konnten, da sie ja ueber etwas mehr Urlaubstage verfuegen als es hier in USA gewoehnlich gibt (die hoechste Steigerung eines amerikanischen Urlaubskontos ist wohl das Ferienkontingent eines deutschen Lehrers angereichert mit den in Deutschland existierenden Feiertagen) .

Damit ist aber natuerlich das Abenteuer Kalifornien noch lange nicht zu Ende, es gibt hier noch sehr viel zu sehen und zu entdecken. Also dranbleiben, es wird auch naechste Woche wieder einen weiteren Bericht von uns hier geben. Wir tun doch (fast) alles fuer euch :-)

Bis bald!

Canyonlands Arches – Super-Uti und schwebende Felsen (Sommerreise Teil 8)

September 2, 2008

Nun fehlt uns nur noch ein Bereich des tollen Canyonlands National Parks, naemlich das Gebiet Arches, was wohl das bekannteste von den dreien ist. Also das beste am Schluss? Das wollten wir herausfinden, aber bisher war jedes der beiden anderen Canyonlandsgebiete einfach toll und auf jeden Fall absolut sehenswert. Morgens mussten wir unsere Zelte in Moab abbrechen, da wir am Abend dann weiter in Richtung Bryce Canyon fahren wollten. Also den Planwagen mit unseren Utensilien gefuellt und die Toyotapferde angetrieben in Richtung Arches. Das erste bemerkenswerte Gebilde war der sogenannte Balanced Rock, ein Riesenstein, der auf einer sehr schmalen Auflageflaeche zu balancieren scheint.

Der obere Fels hat die Groesse von etwa drei grossen Bussen, also schon nicht schlecht. Doch was ist das? Ploetzlich ein Knirschen und Knarzen im Hintergrund mit markerschuetternden Geraeuschen. Sollte dieses Highlight des Parks ein schnelles Ende erleben? Das konnten wir natuerlich nicht tatenlos geschehen lassen, dazu ist es viel zu aussergewoehnlich. Daher schluepfte Uta in Sekundenschnelle in den rot-weissen Super-Uti Dress und schwebte in Lichtgeschwindigkeit an den Fels, um diesen wieder in die Ausgangssituation zurueckzuschieben und dieses tolle Objekt auch fuer die tausende Besucher nach uns zu erhalten.

Puh, geschafft! Das ist ja gerade nochmals gut gegangen. Damit hatten wir unser Pfadfindersoll fuer diesen Tag (‘Jeden Tag eine gute Tat’) auch mehr als erfuellt, so dass wir nun sehr relaxed das Arches-Phaenomen weiter erkunden konnten. Es gibt hier mehr als 2000 Arches, die wir natuerlich nicht alle aufsuchen konnten. Na wer weiss den Unterschied noch zwischen einer Bridge und einer Arch? Wer es nicht weiss, der muss jetzt nachsitzen und den ganzen Blog der Sommerreise nochmals lesen :-) . Wir waren auch nicht faul und haben uns fuer euch in aufopferungsvoller Manier die wichtigsten Arches, die sogenannten ‘Must-See’ angeschaut. Ein sehr interessantes Gebilde ist die ‘North and South Window’ Arch. Es hat etwas von den ‘Eyes of Buddha’, die man in Nepal an den heiligen Tempeln und Stupas sehen kann.

Wie man auf den Bilder sehr gut erkennen kann, gab es fuer den ambitionierten Sonnenanbeter genug Futter. Die Wanderungen zu den einzelnen Arches waren ohne entsprechende Wasserration kaum zu machen, aber das wussten wir ja bereits. Das naechste Highlight bot sich in Form der Double Arch, die wohl einen Krebs als Vorlage hatte. Es wirkt, als wuerden zwei zu Stein gewordene Krebsarme Ausschau nach neuem Futter halten.

Es ist schon sehr interessant, welche Formen die Natur in Jahrtausenden so hervorbringt. Nach einigen Arches machten wir eine etwas laengere Wanderung in den Devil’s Garden, ein vielversprechender Name. Durch Erosion haben sich hier viele beeindruckende Gebilde in verschiedensten Rot- und Beigetoenen gebildet. Man kommt hier durch tunnelartige Gebilde und sieht viele weitere Arches. Wir wollten auch den Double-O Arch sehen und fanden hier einen sehr abwechslungsreichen Trail, der mal quer ueber Felsen, dann wieder hoch hinauf an einem Felskamm fuehrte und immer wieder ’spectacular views’ wie die Amerikaner sagen, freigab.

Die Wanderung ist sehr empfehlenswert und spannend, nur der eigentliche Hoehepunkt sollte der Double-O Arch sein, der der Bezeichnung eines Hoehepunktes jedoch nicht standhaelt. Also wie Konfuzius schon sagte, ‘der Weg ist das Ziel’ kann man sich hier auf eine Wanderung mit tollen Ausblicken begeben, aber sollte nicht auf die Arch fokussiert sein. Die wohl meistfotografierteste und auch schoenste ist die Delicate Arch, wie der Name schon vermuten laesst. Sie ist nicht die hoechste oder laengste oder hat irgendwelche anderen heraushebenden Attribute, sondern ist einfach nur schoen. Wie auch im realen Leben. Sie hat es damit auch geschafft zum Symbol des Staates Utah zu werden und ist auf den Nummernschildern oder Briefmarken zu entdecken.

Nach diesen tollen Bildern fuhren wir wieder zum Ausgang des Nationalparks und wurden noch durch tolle Felsgebilde im weichen Abendlicht beschenkt. Hier koennte der ambitionierte Fotograf wohl tausende Bilder machen, hingerissen von weichen Rot- und Brauntoenen und sich im Licht veraendernden Skulpturen.

So nun aber schnell in Richtung Bryce Canyon, unserem naechsten Zielpunkt. Bis bald!