Am Sonntag schlenderten wir zusammen mit Mathes & Nicole durch das Zentrum des Ungewoehnlichen in Kalifornien bei den Kennern auch als San Francisco bekannt. Ihr konntet ja in unserem Artikel ueber Ashburry Heights einen ersten Eindruck davon bekommen (wer es noch nicht gelesen oder inzwischen wieder vergessen hat, dann sofort in unserem Archiv danach stoebern, es soll ja keiner dumm sterben J ).
Also wieder in Richtung Golden Gate Park, dieses Mal zu einem ganz besonderen Event, dem sogenannten Renaissance Fair, eine Art Festival des Mittelalters noch viel weiter zurueck als die hier noch gelebte Hippiezeit. Am Eingang zu dem Festival wurden wir bereits von einem kleinen Ritter in Begleitung empfangen. Was wir nicht wussten, dass es Handies auch schon damals gab. Tja, so kann man sich taeschen und es zeigt, dass unsere Geschichtslehrer auch nicht alles wussten…

Kaum in dem Inneren der mittelalterlichen Zeltstadt angelangt, wollte uns einer der Haendler ueberzeugen, dass wir so in diesem Aufzug eigentlich hier nicht herumlaufen koennen, so ziehen nur Aussaetzige und Bettler durch das Land. Und was mit denen passiert, versuchte er uns sehr plastisch zu erklaeren, alles Geschichten, die ihm von anderen reisenden Haendlern ueberliefert wurden. Wirklich ein schauerliches Schicksal schien uns beschieden… Aber in diesen Jahren war noch der Mut des Eiznelnen gefragt, also entschlossen wir uns trotz seiner eindringlichen Ratschlaege erst einmal ohne Outfit-Aenderung durch dieses Abenteuer zu schlagen. Ob das eine sooo gute Idee war, wird sich nun in den naechsten Stunden zeigen. Anzeige & Gerichtsverfahren waren in diesem Jahrhundert noch so unbekannt wie eine Parkuhr …

An der naechsten Ecke wurden wir auch sofort Zeuge eines solchen Schnellgerichts. Die Dienstmagd Beth hat einige unangemessene Bemerkungen ueber einen hochgestellten Herrn aus guter Gesellschaft gemacht. Sie war wohl durch einige Becher des guten von Moenchen gebrauten Bieres sich ihrer Rolle und Kompetenzen nicht mehr ganz bewusst gewesen und hatte versucht, sich einen Mann aus besserem Hause zu angeln. Sie hatte jedoch nicht bemerkt, dass seine Frau in der Naehe sass und dem Flirt ein schnelles und rauhes Ende bereitete. Die Strafe folgte sofort und sie wurde mit einigen Peitschenhieben wieder in die harte Realitaet zurueckgeholt. Ein schmerzhaftes Ende eines suessen Flirts…

Ein paar Schritte weiter zogen wir gleich die Aufmerksamkeit der lokalen Ordnungskraefte auf uns, die von ihrer Ruestung mit unserer heutigen Polizei nur noch schwer vergleichbar sind. Auch kennen sie wohl den Spruch nicht, dass einem erst einmal die Rechte vorgelesen werden und man einen Anwalt hinzuziehen kann (welche Rechte und was ist eigentlich ein Anwalt?). Auf jeden Fall verfolgten uns kritische Blicke…

Einige Schritte weiter empfing uns ein Trio, was man nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt. Es wirkte wie ein Zusammentreffen von Priaten aus der Karibik und Arthurs Tafelrunde. Scheinbar verstanden sich diese unterschiedlichen Kulturen jedoch auf Anhieb, was zeigt, dass sich in Amerika schon sehr frueh die Multikulti-Gesellschaft etablieren konnte. Eine schnell herbeigeeilte Dienstmagd konnte sich in dieser Runde ihren sehr passenden Kommentar nicht verkneifen: ‘I am feeling completely underdressed!’. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufuegen.

Wir schlenderten weiter und kamen an eine groessere Menschenansammlung, die sehr gespannt einer Auffuehrung lauschten. Wir wuehlten uns durch das Volk weiter nach vorne. Wir konnten sehr bald erkennen, dass es auch schon zu dieser Zeit angesagt war, sich durch ausgefallene Kleidung und Haartracht aus der Menge hervorzutun. Jedoch hatte man in einem solchen Aufzug als Frau immer das Risiko, als Hexe geaechtet zu werden und einem heissen Tod entgegenzusehen. Tja, alles hat seinen Preis…

Der Zauberkuenstler zog jeden in seinen Bann und hatte ein grosses Repertoire von Tricks, das die Menge zum Toben und Staunen brachte. Er zog damit Alte und Junge, Arme und Reiche, Ritter, Landstreicher und auch kleine Prinzessinen in seinen Bann.

Wie bei jeder heutigen Grossveranstaltung forderte auch im Mittelalter der unmaessige Verzehr von Alkohol bei manchen Gaesten schnell seinen Tribut. Ausserdem stand auf betrunkenes Heimreiten und Gefaehrdung der oeffentlichen Postkutschen durch Betrunkene das Teeren und Federn des Delinquenten. Daher zogen es viele vor, sich lieber erst einmal vor Ort auszuschlafen, wenn dies auch nicht in jedem Fall der beste und sicherste Ort fuer ein Schlaefchen war.

Da das Ganze hier in USA statfand, hatten sich auch noch andere Kulturen unter das Volk gemischt, die in diesen Gefilden schon sehr lange ansaessig waren. Die Fans von John Wayne & Clint Eastwood Filmen ahnen nun, von was ich spreche. Hier sieht man auch, dass die Amerikaner die deutsche Gruendlichkeit einer geschichtlichen Trennung von Epochen eher tolerant sehen oder dies ist die noch unentdeckte Ecke des Woodookults, der vielleicht auch schon im Mittelalter seinen Ursprung hatte. Erste Beweise dieser Theorie konnten bei genauem Hinsehen entdeckt werden.

Auf jeden Fall hatten sich unbemerkt viele Seeraeuber unter das Volk gemischt. Johnny Depp aus Pirates of Caribbeans trieb hier ebenfalls sein charmantes Unwesen. Er rechnete nicht damit, dass Geschichtenerzaehler seine Abenteuer schon herumerzaehlt hatten und viele junge Frauen heimlich seine Bilder kauften. Er fuehlte sich unerkannt unter diesem bunten Treiben, was vielleicht ein Fehler war, da auch seine Untaten doch sehr bekannt waren. Wer weiss, was er heute noch erleben wird…

Es zog uns weiter in Richtung Ritterspiele und wir freuten uns bereits auf den angepriesenen Zweikampf der Ritter. Aber nun flogen wir doch auf, zu lange waehnten wir uns trotz unserem unpassenden Aufzugs in Sicherheit. Einer der Zivilpolizisten hielt uns an und wollte uns mit Waffengewalt in den Kerker verschleppen, wo wir dann wohl die naechsten Monate bei Wasser und Brot zugebracht haben. Auch die Schwangerschaft von Nicole hatte er nicht als Ausrede gelten lassen.

Aber er hatte nicht damit gerechnet, dass wir Super-Uti dabei hatten, die schon in anderen Geschichten ihre ausserirdischen Kraefte spielen liess (ihr erinnert euch an den abrutschenden Felsen in Canyonlands? Wenn nicht, Marsch, Marsch nachsitzen und nachlesen). Sie zog in sekundenschnelle ihren Dress an und verbrachte diesen Stoerenfried in die Wueste Nevadas, wo er nun andere belaestigen konnte. Nur gut, dass Uta immer genug Klamotten fuer solche Zwischenfaelle und Wintereinbrueche inmitten Kaliforniens dabei hat J
Nun aber schnell, zu den Spielen, die bereits begonnen hatten, die Ritter stellten sich schon der johlenden Menge vor.

Zuerst war der Wettkampf mit der Lanze angesagt, hierbei mussten moeglichst viele Ringe eingesammelt werden. Die Ritter schlugen sich bei dieser Disziplin ausgesprochen gut und nach dem ersten Durchlauf herrschte Gleichstand.

Wie wird es weitergehen? Kann Kunibert das ganze fuer sich entscheiden. Fragen ueber Fragen, unendliche Spannung. Freut euch auf den 2. Teil, hier in diesem Theater in Kuerze.
Bis bald.