Am naechsten Morgen ging es weiter mit dem Ziel Sierraville, einem Geheimtip von Rich. Alle waren gespannt, wie abgespaced das wohl sein wuerde, da er uns schon darauf vorbereitet hatte, dass es dort ’somehow different’ sein wuerde. Wir sollten in unseren kuehnsten Vorstellungen nicht enttaeuscht werden
. Sierraville sollte uns als Ausgangspunkt fuer die Unternehmungen am Lake Tahoe dienen. Also alles eingepackt und los ging es. Was wir jedoch noch nicht ahnten war, dass Rich einer der groessten Fluss- und Seefetischist war, die dieser Planet kennt, und an jedem Tuempel halt machen wuerde, um ein 10 Minutenbad darin zu nehmen. Als wir ca. 15 Minuten unserer Reise hinter uns gebracht hatten, waren wir am ersten ‘must see + try’ Fluss angekommen. Der Fluss war sehr nett gelegen, aber mit dieser Frequenz wuerden wir etwa 1 Monat alleine fuer den Hinweg benoetigen. Also haben sich unsere Wasserratten in den Fluss gestuerzt, ich hatte beim Fruehstueck meine Kamera stehen lassen und musste nochmals zurueck, um sie zu holen. Kaum zurueck, waren die Wasserspiele schon in vollem Gang:

Kaum abgetrocknet, konnte der Zug nach Westen wieder Fahrt aufnehmen. Nach weiteren 20 Minuten, war das naechste Wasserhighlight erreicht, was wir unbedingt sehen mussten. Wir konnten Rich noch davon abhalten, wieder ein schnelles Bad zu nehmen, aber dafuer gab es andere Moeglichkeiten, sich auszutoben:

Also alle Kinder wieder in das Auto verpackt und weiter ging die Reise. Nach einer kurzen Fahrt waren wir in einem recht netten Dorf angekommen, was einen typisch amerikanischen Flair hatte. Hier gab es frueher eine Mine, daher war der Stop Pflicht und ausnahmsweise kein weiterer Plansch-Stop (wir hatten Rich zuvor ueberzeugt, dass wir nicht an jeder Flussbiegung anhalten koennen und ein Bad nehmen, was jedoch nicht ganz so einfach war
).

Da Sierraville nicht mehr sehr weit war, lag es nahe, nochmals zuvor eine Rast zu machen. Ihr werdet es schon ahnen, es gab einen weiteren See, den man unbedingt testen musste, da er so toll gelegen war und sich zum Schwimmen fast schon aufdraengte.

Die Besuche an den anderen 13 Fluessen und Seen auf dem weiteren Hinweg ueberspringe ich mal. Ihr werdet es kaum glauben, aber wir haben es dann doch noch geschafft in Sierraville anzukommen. Ueber einen steinigen Weg ging es in Richtung Sierralodge, die etwas abgelegen von der Stadt liegt. Kaum angekommen, wurden wir von einer Gruppe von mehr oder weniger der Welt entrueckten Yogamenschen ‘empfangen’.

Es fand an diesem Wochenende gerade ein Workshop Beruehren + Tanzen statt, was einen grossen Zuspruch hatte. Daher war das Hotel und der Campingplatz gut von diesen „Taenzern’ gefuellt. Also auf den Campingplatz und die Zelte aufgestellt. Umgeben von der Welt entrueckten ‘Mitbewohnern’ liessen wir es uns erst einmal gutgehen.

Wir hatten gerade zur Feier der getanen Arbeit, die ersten Biere aufgemacht, da kam Rich auf uns zu und erklaerte uns, dass Bier trinken hier nicht erwuenscht sei. Wenn wir nicht schon zuvor einige Schwaden suesslichen Rauches in die Nase bekommen haetten, dann haetten wir es wohl ernster genommen, aber so…

Etwa 200m von den Zelten entfernt, fand der angekuendigte Workshop statt, der in vollen Gange war. Schwebende tanzende Menschen, die sich umringen und mit weichen Bewegungen beruehren, sich uebereinander rollten, war das Kontrastprogramm zu unserer Unterhaltung. Jedem das Seine… Wir machten uns auf in Richtung Gemeinschaftskueche. Als wir durch den Speiseraum gingen, was eine Mischung aus alternativem Wohnzimmer und WG-Kueche war, wurden wir von singenden, tanzenden und diskutierenden Workshopteilnehmern eher abschaetzend begutachtet, da wir mit unserem Outfit nicht gerade auf einer Linie mit dem sonst vorherrschenden Batikdresscode waren. In der Gemeinschaftskueche war das vorherrschende Thema die Erfahrungen aus dem Tanzworkshop, was sich in den Bewegungen und den weichen Beruehrungen der Agierenden in der Kueche zeigten. Ein doch eher ungewohntes Bild, was man trotz der momentan vielen Kochsendungen eher selten zu Gesicht bekommt. Also Spaghetti vom Herd und raus hier, bevor es noch abgedrehter wird. Im Nebenraum umschlangen sich weitere dieser Menschen, rollten sich uebereinander, die wohl im heutigen Workshop noch nicht alles voll erfasst hatten und noch nachsitzen mussten. Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zum ersten der drei Baeder, die auf den warmen Quellen hier fussen.

Die Baeder hatten hier die ganze Nacht durchgehend geoeffnet. Durch den runden Eingang hindurch kamen wir zum grossen Pool. Das Bild was sich hier bot, haette Michelangelo zu neuen Kunstwerken inspiriert. Es waren ca. 30 splitterfasernackte Maenner und Frauen in dem Bad, die ihre Koerper im Wasser uebereinanderrollten, sich ineinander verknoteten oder sonstige hautnahen Koerperfahrungen genossen. Nach einem Bad an dieser heilsamen Staette liefen wir beleuchtet vom Mond wieder in Richtung Campingplatz. Auf dieses Erlebnis mussten wir dann zuerst mal ein Bierchen trinken, was Rich wieder in eine Glaubenskrise stuerzte… Also setzten wir uns etwas abseits auf die Bank und hielten die Bierflaschen unter dem Tisch, wie Jugendliche, die in der Oeffentlichkeit noch nichts trinken duerfen. Wir hatten noch einen unglaublichen Spass, da dies natuerlich die Phantasie anregte und mit ein paar Bier die Geschichten immer lustiger wurden. Die Utensilien, die so mancher mit auf den Zeltplatz brachte, war auch sehr strange. Ein Paar hatte neben dem Zelt eine ausgewachsenen 2m Spiegel in seinem total vollgepackten Auto dabei, wofuer es diesen auch immer benoetigte… In der Nacht testeten wir noch ein weiteres kleines Schwefelbad, das in voller Dunkelheit lag. Man musste sich sehr gut merken, wo man die Klamotten hingelegt hatte, um diese nach dem Bad wiederzufinden. Dies war ein ganz tolles Erlebnis, da man in stockdunkler Nacht im warmen Schwefelbad sass und die Sterne beobachten konnte. Ein sehr intensives Gefuehl. Am morgen gingen wir in das Hauptgebaeude, da es nur dort Duschen gab. Vor der Dusche warteten Uta & ich, bis eine der beiden Duschen frei wurde. Da gesellte sich eine weitere junge Frau zu uns, die auch Duschen wollte. Sie hatte auch alles dabei, was man dafuer benoetigte, splitternackt bis auf Duschgel und ein kleines Handtuch, was sie um den Hals gelegt hatte. Auch eine nette Begegnung am fruehen Morgen, aber irgendwie normal hier
Irgendwie scheint die Geschichte vom prueden Amerika noch nicht nach Sierraville durchgedrungen zu sein…
Bis bald.