Sierraville – Yoga, Taenzer, Schwefelbaeder + Michelangelokompositionen

Dezember 23, 2008 von chrisuti

Am naechsten Morgen ging es weiter mit dem Ziel Sierraville, einem Geheimtip von Rich. Alle waren gespannt, wie abgespaced das wohl sein wuerde, da er uns schon darauf vorbereitet hatte, dass es dort ’somehow different’ sein wuerde. Wir sollten in unseren kuehnsten Vorstellungen nicht enttaeuscht werden :-) . Sierraville sollte uns als Ausgangspunkt fuer die Unternehmungen am Lake Tahoe dienen. Also alles eingepackt und los ging es. Was wir jedoch noch nicht ahnten war, dass Rich einer der groessten Fluss- und Seefetischist war, die dieser Planet kennt, und an jedem Tuempel halt machen wuerde, um ein 10 Minutenbad darin zu nehmen. Als wir ca. 15 Minuten unserer Reise hinter uns gebracht hatten, waren wir am ersten ‘must see + try’ Fluss angekommen. Der Fluss war sehr nett gelegen, aber mit dieser Frequenz wuerden wir etwa 1 Monat alleine fuer den Hinweg benoetigen. Also haben sich unsere Wasserratten in den Fluss gestuerzt, ich hatte beim Fruehstueck meine Kamera stehen lassen und musste nochmals zurueck, um sie zu holen. Kaum zurueck, waren die Wasserspiele schon in vollem Gang:

Serraville Flussbad

Kaum abgetrocknet, konnte der Zug nach Westen wieder Fahrt aufnehmen. Nach weiteren 20 Minuten, war das naechste Wasserhighlight erreicht, was wir unbedingt sehen mussten. Wir konnten Rich noch davon abhalten, wieder ein schnelles Bad zu nehmen, aber dafuer gab es andere Moeglichkeiten, sich auszutoben:

Serraville See

Also alle Kinder wieder in das Auto verpackt und weiter ging die Reise. Nach einer kurzen Fahrt waren wir in einem recht netten Dorf angekommen, was einen typisch amerikanischen Flair hatte. Hier gab es frueher eine Mine, daher war der Stop Pflicht und ausnahmsweise kein weiterer Plansch-Stop (wir hatten Rich zuvor ueberzeugt, dass wir nicht an jeder Flussbiegung anhalten koennen und ein Bad nehmen, was jedoch nicht ganz so einfach war :-) ).

Serraville - Minendorf

Da Sierraville nicht mehr sehr weit war, lag es nahe, nochmals zuvor eine Rast zu machen. Ihr werdet es schon ahnen, es gab einen weiteren See, den man unbedingt testen musste, da er so toll gelegen war und sich zum Schwimmen fast schon aufdraengte.

Serraville - See 2

Die Besuche an den anderen 13 Fluessen und Seen auf dem weiteren Hinweg ueberspringe ich mal. Ihr werdet es kaum glauben, aber wir haben es dann doch noch geschafft in Sierraville anzukommen. Ueber einen steinigen Weg ging es in Richtung Sierralodge, die etwas abgelegen von der Stadt liegt. Kaum angekommen, wurden wir von einer Gruppe von mehr oder weniger der Welt entrueckten Yogamenschen ‘empfangen’.

Sierralodge

Es fand an diesem Wochenende gerade ein Workshop Beruehren + Tanzen statt, was einen grossen Zuspruch hatte. Daher war das Hotel und der Campingplatz gut von diesen „Taenzern’ gefuellt. Also auf den Campingplatz und die Zelte aufgestellt. Umgeben von der Welt entrueckten ‘Mitbewohnern’ liessen wir es uns erst einmal gutgehen.

Sierraville - Camping

Wir hatten gerade zur Feier der getanen Arbeit, die ersten Biere aufgemacht, da kam Rich auf uns zu und erklaerte uns, dass Bier trinken hier nicht erwuenscht sei. Wenn wir nicht schon zuvor einige Schwaden suesslichen Rauches in die Nase bekommen haetten, dann haetten wir es wohl ernster genommen, aber so…

Sierraville Camping Uta

Etwa 200m von den Zelten entfernt, fand der angekuendigte Workshop statt, der in vollen Gange war. Schwebende tanzende Menschen, die sich umringen und mit weichen Bewegungen beruehren, sich uebereinander rollten, war das Kontrastprogramm zu unserer Unterhaltung. Jedem das Seine… Wir machten uns auf in Richtung Gemeinschaftskueche. Als wir durch den Speiseraum gingen, was eine Mischung aus alternativem Wohnzimmer und WG-Kueche war, wurden wir von singenden, tanzenden und diskutierenden Workshopteilnehmern eher abschaetzend begutachtet, da wir mit unserem Outfit nicht gerade auf einer Linie mit dem sonst vorherrschenden Batikdresscode waren. In der Gemeinschaftskueche war das vorherrschende Thema die Erfahrungen aus dem Tanzworkshop, was sich in den Bewegungen und den weichen Beruehrungen der Agierenden in der Kueche zeigten. Ein doch eher ungewohntes Bild, was man trotz der momentan vielen Kochsendungen eher selten zu Gesicht bekommt. Also Spaghetti vom Herd und raus hier, bevor es noch abgedrehter wird. Im Nebenraum umschlangen sich weitere dieser Menschen, rollten sich uebereinander, die wohl im heutigen Workshop noch nicht alles voll erfasst hatten und noch nachsitzen mussten. Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zum ersten der drei Baeder, die auf den warmen Quellen hier fussen.

Sierraville Bad

Die Baeder hatten hier die ganze Nacht durchgehend geoeffnet. Durch den runden Eingang hindurch kamen wir zum grossen Pool. Das Bild was sich hier bot, haette Michelangelo zu neuen Kunstwerken inspiriert. Es waren ca. 30 splitterfasernackte Maenner und Frauen in dem Bad, die ihre Koerper im Wasser uebereinanderrollten, sich ineinander verknoteten oder sonstige hautnahen Koerperfahrungen genossen. Nach einem Bad an dieser heilsamen Staette liefen wir beleuchtet vom Mond wieder in Richtung Campingplatz. Auf dieses Erlebnis mussten wir dann zuerst mal ein Bierchen trinken, was Rich wieder in eine Glaubenskrise stuerzte… Also setzten wir uns etwas abseits auf die Bank und hielten die Bierflaschen unter dem Tisch, wie Jugendliche, die in der Oeffentlichkeit noch nichts trinken duerfen. Wir hatten noch einen unglaublichen Spass, da dies natuerlich die Phantasie anregte und mit ein paar Bier die Geschichten immer lustiger wurden. Die Utensilien, die so mancher mit auf den Zeltplatz brachte, war auch sehr strange. Ein Paar hatte neben dem Zelt eine ausgewachsenen 2m Spiegel in seinem total vollgepackten Auto dabei, wofuer es diesen auch immer benoetigte… In der Nacht testeten wir noch ein weiteres kleines Schwefelbad, das in voller Dunkelheit lag. Man musste sich sehr gut merken, wo man die Klamotten hingelegt hatte, um diese nach dem Bad wiederzufinden. Dies war ein ganz tolles Erlebnis, da man in stockdunkler Nacht im warmen Schwefelbad sass und die Sterne beobachten konnte. Ein sehr intensives Gefuehl. Am morgen gingen wir in das Hauptgebaeude, da es nur dort Duschen gab. Vor der Dusche warteten Uta & ich, bis eine der beiden Duschen frei wurde. Da gesellte sich eine weitere junge Frau zu uns, die auch Duschen wollte. Sie hatte auch alles dabei, was man dafuer benoetigte, splitternackt bis auf Duschgel und ein kleines Handtuch, was sie um den Hals gelegt hatte. Auch eine nette Begegnung am fruehen Morgen, aber irgendwie normal hier :-)  Irgendwie scheint die Geschichte vom prueden Amerika noch nicht nach Sierraville durchgedrungen zu sein…

Bis bald.

Grass Valley – Musik, Hippies und gute Laune

Dezember 21, 2008 von chrisuti

Wir fahren nach GrassValley und treffen uns mit Mathes & Nicki, erklaerte mir Uta ganz begeistert. Grass Valley, das klingt nach einem kleinen vertraeumten Ort, der sich dem suesslichen Genuss von Joints verschrieben hat und in dem der normale Alltag der Realitaet entrueckt ist. Dies waren die ersten Gedanken, die mir bei diesem Namen einfielen und ich malte mir ein von der Welt entschwebtes Staedtchen inmitten des Nichts vor, das wie eine Reinkarnation von Ashburry Heights mit Hippies aller Altersklassen wirken wuerde. So falsch lag ich dann mit meiner ersten Einschaetzung gar nicht. Aber eines nach dem anderen.

Kaum in Grass Valley eingetroffen, trafen wir uns mit mit den beiden, die sich bei dem Cousin von Mathes einquartiert hatten. Rich arbeitet hier als Chiropraktiker in einem vertaeumten Haeuschen, was man nicht so ohne weiteres als eine serioese Gesundheitspraxis erkennen wuerde. Ein weisses Holzhaeuschen inmitten einem riesigen etwas heruntergekommenen Garten, das den leidenden Patienten mit einer weissen Taube und einer Peaceflagge willkommen heisst. Der letzte Anstrich war auch schon einige Jahre vorbei und das Wohnmobil vor dem Haus, diente eher als Geruempelkammer als einem Urlaubsmobil. Da wir nicht wegen irgendwelcher Rueckenleiden hergekommen sind, ging es gleich auf Tour hinein in das wirkliche Leben. Aus allen Ecken klangen Fetzen von unterschiedlicher Musik und in Batik gekleidete Menschen jeder Altersgruppe schwebten gutgelaunt durch die Strassen. Es gab hier eine Art Strassenfest aber mit einem klaren Fokus auf Musik, Essen & Uebersinnliches.

Grassvalley Musiker

Was sehr auffaellig ist, dass sich hier alle zu kennen scheinen und auch dass alle gute Laune haben. Lag es an der Musik, an der Sonne oder an den Dingen, die man hier in fluessiger oder rauchender Art zu sich nahm? Egal, aber es hatte einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen konnte. Es gab so ziemlich jede Art von Musikinstrumenten zu hoeren und zu kaufen, die man bei Interesse auch sofort vorgefuehrt bekam:

Grassvalley Musikinstrumente

Nachdem wir uns an einem der Staende mit einer Art Kebab, das nach Zusicherung der Verkaeuferin mit viel Liebe und nur mit biologischen und gluecklichen Zutaten zubereitet wurde, gestaerkt hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Dessert. Uta und Nicki fielen dabei gleich einem Eisverkaeufer zum Opfer, der Ihnen ein Bailey-Eis angeboten hatte. Welche Frau kann dabei schon Nein sagen? Verzueckt von diesm kulinarischen Highlight schlenderten wir weiter durch die Strasse und kamen an einem Chiropraktikerstand vorbei. Dabei stellte sich heraus, dass Rich, der uns begeleitete, einen Stand hier hatte, was er wohl voellig vergessen hatte. Es hatte sich trotzdem jemand gefunden, der den Stand schon seit Stunden betreute und den interessierten Besuchern wohl auch was ueber ciropraktische Heilmethoden erzaehlen konnte (soweit die optimistische Interpretation :-) ). Also wie alles hier, sehr professionell und bierernst. Rich musste dann zumindestens den Bekannten abloesen und die lezte halbe Stunde SEINEN Stand selbst betreuen. Wir spazierten weiter in Richtung einer Band, deren Musik uns magisch anzog. Es war eine Art suedamerikanischer Salsamusik, die viele begabte und weniger begabte Taenzer in ihren Bann zog.

Grassvalley Band

 Kaum standen wir hier einige Minuten, kam auch schon der erste an, der sich fuer uns interessierte und alles moegliche wissen wollte. Nach einem kurzen Gespraech entfuehrte er Nicki zum Salsatanzen, was ihre grosse Leidenschaft ist. Die naechste halbe Stunde waren die 2 dann auf der Tanzflaeche verschwunden. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, und es war sehr bald jedem Betrachter klar, wer bei diesem Paar tanzen konnte iund wer nicht. Als Mathes nach wenigen Minuten auftauchte und fragte: ‘Wo ist denn meine Nicki?’ war er sichtlich froh, dass sich jemand gefunden hatte, dem es augenscheinlich enormen Spass machte, Salsa zu tanzen und er mit seinem Bewegungstalent heute Abend nicht heralten musste. Nachdem die Staende geschlossen hatten, kam dann auch Rich wieder und schleppte uns in eine Kneipe, in dem ein Bekannter von ihm Musik machte. irgendwie kennt hier jeder jeden oder zumindestens fast alle den Rich.

Nicki, Mathes & Rich

Die Kneipe war wohl der Treffpunkt von allen, die um diese Stunde noch nicht nach Hause wollten. Gaeste jeden Alters tranken hier noch das ein oder andere Bier und unterhielten sich gutgelaunt. Eine Miniausgabe der Gipsy Kings heizte das Publikum ein und war neben dem Singen damit beschaeftigt sich bei allen kommenden und gehenden Frauen mit Kuessen zu verabschieden bzw. diese zu begruessen. Irgendwie auch kein schlechter Job :-) . Gehoert wohl hier dazu, alles sehr sympathisch, wobei der Saenger nicht unbedingt als der fotogene Star zu beschreiben war, aber die Musik war klasse.

Grassvalley Kneipenmusiker

Das war schon mal ein gelungener Auftakt unseres Besuches und die Reise hatte ja gerade erst begonnen. Es versprach noch sehr interessant zu werden, was dann auch in jeder Beziehung zutraf. Eine in jeder Richtung inspierierender Urlaub, aber dazu mehr in Kuerze. Auf jeden Fall hatten wir jetzt schon viel Spass. Prost!

Grassvalley Uta

Bis bald!

Ritter sind auch nur Menschen – Teil 2

November 16, 2008 von chrisuti

Als naechstes war ein weiterer Wettkampf mit der Lanze, bekannt als der ‘torkelnde Soldat’ angesagt. Hierbei muss das Schild des ‘Soldaten’ so getroffen warden, dass dieser moeglichst viele Umdrehungen macht. Die Wettkaempfer waren in dieser Disziplin das beste Duo, was unter dieser Sonne momentan existiert. Das Endergebnis konnte daher auch nur wieder zum Gleichstand fuehren.

Ritter Lanze 2

Also musste nun die Entscheidung ueber den letzten Wettkampf mit dem Schwert herbeigefuehrt warden. Dieser als der ‘blecherne Krautkopf’ bekannte Wettstreit ist das Highlight der Spiele ausgenommen fuer eine Person. Aber seht selbst:

Ritter Krautkopf 1

Das Zittern beginnt, Flucht ist unmoeglich…

Ritter Krautkopf 2

Wird es gutgehen oder verliert der Arme seinen Kopf?

Ritter Krautkopf 3

Da der Zweite Ritter nur den Helm und nicht den Krautkopf erwischte, war the Knight of the Year nun gefunden. Die Zuschauer waren zufrieden und feierten den Sieg ausgiebig.

Feiern San Francisco

Wir konnten danach die Postkutsche zu unseren abgestellten Pferdchen nehmen und nach Redwood City reiten. Oder so aehnlich zumindestens.

 

Bis bald!

 

 

 

 

 

Ritter sind auch nur Menschen oder San Francisco im Mittelalter

November 16, 2008 von chrisuti

Am Sonntag schlenderten wir zusammen mit Mathes & Nicole durch das Zentrum des Ungewoehnlichen in Kalifornien bei den Kennern auch als San Francisco bekannt. Ihr konntet ja in unserem Artikel ueber Ashburry Heights einen ersten Eindruck davon bekommen (wer es noch nicht gelesen oder inzwischen wieder vergessen hat, dann sofort in unserem Archiv danach stoebern, es soll ja keiner dumm sterben J ).

Also wieder in Richtung Golden Gate Park, dieses Mal zu einem ganz besonderen Event, dem sogenannten Renaissance Fair, eine Art Festival des Mittelalters noch viel weiter zurueck als die hier noch gelebte Hippiezeit. Am Eingang zu dem Festival wurden wir bereits von einem kleinen Ritter in Begleitung empfangen. Was wir nicht wussten, dass es Handies auch schon damals gab. Tja, so kann man sich taeschen und es zeigt, dass unsere Geschichtslehrer auch nicht alles wussten…

SF Ritter 43

 Kaum in dem Inneren der mittelalterlichen Zeltstadt angelangt, wollte uns einer der Haendler ueberzeugen, dass wir so in diesem Aufzug eigentlich hier nicht herumlaufen koennen, so ziehen nur Aussaetzige und Bettler durch das Land. Und was mit denen passiert, versuchte er uns sehr plastisch zu erklaeren, alles Geschichten, die ihm von anderen reisenden Haendlern ueberliefert wurden. Wirklich ein schauerliches Schicksal schien uns beschieden… Aber in diesen Jahren war noch der Mut des Eiznelnen gefragt, also entschlossen wir uns trotz seiner eindringlichen Ratschlaege erst einmal ohne Outfit-Aenderung durch dieses Abenteuer zu schlagen. Ob das eine sooo gute Idee war, wird sich nun in den naechsten Stunden zeigen. Anzeige & Gerichtsverfahren waren in diesem Jahrhundert noch so unbekannt wie eine Parkuhr …

SF Ritter 54

An der naechsten Ecke wurden wir auch sofort Zeuge eines solchen Schnellgerichts. Die Dienstmagd Beth hat einige unangemessene Bemerkungen ueber einen hochgestellten Herrn aus guter Gesellschaft gemacht. Sie war wohl durch einige Becher des guten von Moenchen gebrauten Bieres sich ihrer Rolle und Kompetenzen nicht mehr ganz bewusst gewesen und hatte versucht, sich einen Mann aus besserem Hause zu angeln. Sie hatte jedoch nicht bemerkt, dass seine Frau in der Naehe sass und dem Flirt ein schnelles und rauhes Ende bereitete. Die Strafe folgte sofort und sie wurde mit einigen Peitschenhieben wieder in die harte Realitaet zurueckgeholt. Ein schmerzhaftes Ende eines suessen Flirts…

SF Ritter 72

Ein paar Schritte weiter zogen wir gleich die Aufmerksamkeit der lokalen Ordnungskraefte auf uns, die von ihrer Ruestung mit unserer heutigen Polizei nur noch schwer vergleichbar sind. Auch kennen sie wohl den Spruch nicht, dass einem erst einmal die Rechte vorgelesen werden und man einen Anwalt hinzuziehen kann (welche Rechte und was ist eigentlich ein Anwalt?). Auf jeden Fall verfolgten uns kritische Blicke…

SF Ritter 58

Einige Schritte weiter empfing uns ein Trio, was man nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt. Es wirkte wie ein Zusammentreffen von Priaten aus der Karibik und Arthurs Tafelrunde. Scheinbar verstanden sich diese unterschiedlichen Kulturen jedoch auf Anhieb, was zeigt, dass sich in Amerika schon sehr frueh die Multikulti-Gesellschaft etablieren konnte. Eine schnell herbeigeeilte Dienstmagd konnte sich in dieser Runde ihren sehr passenden Kommentar nicht verkneifen: ‘I am feeling completely underdressed!’. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufuegen.

Competely Underdressed

Wir schlenderten weiter und kamen an eine groessere Menschenansammlung, die sehr gespannt einer Auffuehrung lauschten. Wir wuehlten uns durch das Volk weiter nach vorne. Wir konnten sehr bald erkennen, dass es auch schon zu dieser Zeit angesagt war, sich durch ausgefallene Kleidung und Haartracht aus der Menge hervorzutun. Jedoch hatte man in einem solchen Aufzug als Frau immer das Risiko, als Hexe geaechtet zu werden und einem heissen Tod entgegenzusehen. Tja, alles hat seinen Preis…

SF Ritter 77

Der Zauberkuenstler zog jeden in seinen Bann und hatte ein grosses Repertoire von Tricks, das die Menge zum Toben und Staunen brachte. Er zog damit Alte und Junge, Arme und Reiche, Ritter, Landstreicher und auch kleine Prinzessinen in seinen Bann.

SF Ritter 82

Wie bei jeder heutigen Grossveranstaltung forderte auch im Mittelalter der unmaessige Verzehr von Alkohol bei manchen Gaesten schnell seinen Tribut. Ausserdem stand auf betrunkenes Heimreiten und Gefaehrdung der oeffentlichen Postkutschen durch Betrunkene das Teeren und Federn des Delinquenten. Daher zogen es viele vor, sich lieber erst einmal vor Ort auszuschlafen, wenn dies auch nicht in jedem Fall der beste und sicherste Ort fuer ein Schlaefchen war.

SF Ritter 89

Da das Ganze hier in USA statfand, hatten sich auch noch andere Kulturen unter das Volk gemischt, die in diesen Gefilden schon sehr lange ansaessig waren. Die Fans von John Wayne & Clint Eastwood Filmen ahnen nun, von was ich spreche. Hier sieht man auch, dass die Amerikaner die deutsche Gruendlichkeit einer geschichtlichen Trennung von Epochen eher tolerant sehen oder dies ist die noch unentdeckte Ecke des Woodookults, der vielleicht auch schon im Mittelalter seinen Ursprung hatte. Erste Beweise dieser Theorie konnten bei genauem Hinsehen entdeckt werden.

SF Indianer

Auf jeden Fall hatten sich unbemerkt viele Seeraeuber unter das Volk gemischt. Johnny Depp aus Pirates of Caribbeans trieb hier ebenfalls sein charmantes Unwesen. Er rechnete nicht damit, dass Geschichtenerzaehler seine Abenteuer schon herumerzaehlt hatten und viele junge Frauen heimlich seine Bilder kauften. Er fuehlte sich unerkannt unter diesem bunten Treiben, was vielleicht ein Fehler war, da auch seine Untaten doch sehr bekannt waren. Wer weiss, was er heute noch erleben wird…

Pirates of Caribbean

Es zog uns weiter in Richtung Ritterspiele und wir freuten uns bereits auf den angepriesenen Zweikampf der Ritter. Aber nun flogen wir doch auf, zu lange waehnten wir uns trotz unserem unpassenden Aufzugs in Sicherheit. Einer der Zivilpolizisten hielt uns an und wollte uns mit Waffengewalt in den Kerker verschleppen, wo wir dann wohl die naechsten Monate bei Wasser und Brot zugebracht haben. Auch die Schwangerschaft von Nicole hatte er nicht als Ausrede gelten lassen.

Verhaftung

Aber er hatte nicht damit gerechnet, dass wir Super-Uti dabei hatten, die schon in anderen Geschichten ihre ausserirdischen Kraefte spielen liess (ihr erinnert euch an den abrutschenden Felsen in Canyonlands? Wenn nicht, Marsch, Marsch nachsitzen und nachlesen). Sie zog in sekundenschnelle ihren Dress an und verbrachte diesen Stoerenfried in die Wueste Nevadas, wo er nun andere belaestigen konnte. Nur gut, dass Uta immer genug Klamotten fuer solche Zwischenfaelle und Wintereinbrueche inmitten Kaliforniens dabei hat J

Nun aber schnell, zu den Spielen, die bereits begonnen hatten, die Ritter stellten sich schon der johlenden Menge vor.

Rittervorstellung

Zuerst war der Wettkampf mit der Lanze angesagt, hierbei mussten moeglichst viele Ringe eingesammelt werden. Die Ritter schlugen sich bei dieser Disziplin ausgesprochen gut und nach dem ersten Durchlauf herrschte Gleichstand.

Ritter Lanze 1

Wie wird es weitergehen? Kann Kunibert das ganze fuer sich entscheiden. Fragen ueber Fragen, unendliche Spannung. Freut euch auf den 2. Teil, hier in diesem Theater in Kuerze.

Bis bald. 

Familie Leineke (alias Prigge) tollt durch San Francisco

November 7, 2008 von chrisuti

Ein wunderschoener Besuch von meinem Bruder Ulf mitsamt Familie: Antje, Mark, und Sven.

Family

Das Highlight der Wohnung fuer die Kinder war definitv der Fussballkicker, jede Minute ausgebucht. Das zweite Highlight am Folgetag war dann San Francisco:-). Vom Parkplatz aus konnten wir gleich die Golden Gate Bridge betrachten (ja, ohne Nebel), dann freute sich Sven, weil er schon kurze Zeit spaeter Alcatraz sah. Als naechstes kamen wir an eine paar Gauklern vorbei, die bei Fisherman’s Wharf genug Publikum bekommen: Ein fahrend spielender Pianist, Maler die jeden Touri als Superman abzeichnen. Manchmal kommt man auch einem Busch vorbei. Beim ahnungslosen Weitergehen springt Dich dieser an mit einem kurzen Kampfschrei.

Alcatraz

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Wir kamen an Fischstaurants mit reich bestueckten Glastischen mit Meerestieren inklusive Hummer vorbei, dann an einem einem Schaufenster hinter dem 3 fixe Baecker Rosinenbrot kneteten. „Wie lange muss ich denn noch laufen und wohin wollen wir ueberhaupt“ kam dann auch bald von Nicht-Marathonlaeufer Sven. Andere Touris hatten es besser: Sie hatten laecherliche kleine Plattformen, die etwas mit 8 km/h fahren, aber immerhin musste man nicht selbst laufen fand Sven:

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Es wurde also Zeit, dass wir zum Pier 39 kamen, wo diesmal allerdings nur wenige Seeloewen herumlungerten. Eine Bootsfahrt mit Aussteigen auf Alcatraz war leider ausgebucht. Ein grosses Highlight fuer die Kinder wartete nur 200 m entfert: Das Regenwald-Restaurant mit lebensgrossen, ferngesteuerten Tieren. Als Mark einem Gorilla die Hand schuetteln wollte, und der sich abwandte, maulte Mark entruestet: „Der mag mich nicht“. Beim 2. Mal hinschauen war aber auch dieses Missverstaendnis aus dem Weg geraeumt. Der Elefant hatte es beiden angetan, bis der die Nase voll hatte, und sie mit einem klitzekleinen Ruck seiner Stosszaehne von der Balustrade befoerderte..

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Wenn man Mark fragt was das Tollste an San Francisco ist, sagt er vertraemt: „Cable Car“. Dieses Verkehrsmittel wird gut ausgeschlachtet von der Stadt und wir warteten lange bis wir endlich in einen Wagon passten. Bis dahin wussten wir noch nicht, dass man besser 2-3 Haltestellen spaeter einsteigt, da sie oft Plaetze fuer spaetere Gaeste freihalten. Ein Fahrzeugfuehrer steht in der Mitte an einem langen Stab, mit dem er manuell bremst und beschleunigt – sehr oft noetig in den steilen huegeligen Stranssen San Franciscos. Die Bremskloetze sind immer noch aus Holz! Am Ende der Strecke ist eine Drehscheibe auf die der Wagon faehrt. Dann hetzen 3 Bedienstete herbei, die sich mit vollem Koerpereinsatz gegen den Wagen stemmen, damit die Drehscheibe sich um 180 Grad dreht und er zurueck fahren kann.

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Wir kamen an der beruehmten Lombard street mit ihren steilen Kurven und Blumenbeeten vorbei. Dann stiegen wir in China Town aus. Es ist sehr voll dort, viele Ramschlaeden, aber wenn man gut hinschaut findet man auch ein paar wertvolle Gegenstaende in den teureren Laeden. Wir zogen allerdings das Anziehen peinlicher Huete und reiten auf chinesischen Steindrachen vor.

Nach Rueckfahrt mit Cable Car kamen wir puenktlich zum Sonnenuntergang wieder zur Golden Gate. Perfekter Moment fuer ein Foto inklusive V-Form der Moewen. Manche allerdings wissen nicht mal was sie verpassen, waehrend sie versuchen eine Moewe(!) auf einem Stein am Ufer perfekt und langweilig vor die Linse zu bringen (Antje und Chris wissen was ich meine:-). Zuhause gab es unsere gegrillten dicken Lieblingssteaks vom Costco (Ihr erinnert Euch, die beliebte Kreuzung aus Aldi und Metro).

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Am naechsten Tag beschloss Sven er hat Muskelkater und moechte heute mal nicht so viel Laufen „wie Ihr immer wollt“. Also ging es an den Strand von Santa Cruz. Nach einer wilden Kletterpartie (die gesamte Familie Prigge/Leinecke sind begeisterte Kletterer) ueber eine Art hohe Buhne (aufgrund der Flut konnte man nicht mehr davor her laufen), konnte beim Rumtollen im Sand auch Marks neues Outfit vom Outdoor Anbieter REI auf Strapazierfaehigkeit geprueft werden: Eine rote Hose mit einem engen schwarzen Surfer-Shirt, das seinen kleinen athletischen Oberkoerper top zur Geltung bringt und ihn stolz macht. Den Rueckweg haben wir dann lieber durch eine dunkle wasserbedeckte Hoehle genommen: Hosen hochziehen, und Zaehne zusammenbeissen wenn sie aufgrund einer Welle doch mal nass wird. Wer solche Spaesse nicht mag, kann sich auch direkt am Strand von Santa Cruz in die tosende Loopingbahn oder den Freefalltower setzen. Sven jedoch beschloss er wird ein beruehmter Kite Surfer (auch wenn er noch auf sein neues Outfit warten muss).

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Die Familie, die immer mit MAUS unterschriebt (aus den Anfangsbuchstaben von Mark, Antje, Ulf, Sven) bereiste noch viele Nationalparks wie Big Sur, wo sie uebrigens Ecki und Lutzi trafen!, fanden wunderschoene Badestellen und Wanderungen in Pinnacles, Sequoia, Yosemite und Mono Lake. Zurueck bei uns sahen wir uns noch einmal gemeinsam Mammutbaeume an, bestiegen Mount Tamalpais (den Ihr auch schon kennt) und bauten am beruehmten Stinson Beach Sandburgen. Zum Abschluss gab es wieder dicke 400 g Steaks in Redwood City, zusammen mit einem Kickertournier der Kids.

Bryce Canyon – das rote Schloss in der Wueste (Sommerreise Teil 9)

September 5, 2008 von chrisuti

Nach einer Uebernachtung im Hotel fuhren wir nun in Richtung Bryce Canyon National Park, wo wir unser Zelt auf einem Campingplatz in luftiger Hoehe weit ueber 2000m hoch aufschlugen. Der Bryce Canyon ist ein beliebtes Urlaubsziel der Amerikaner, da er atemberaubende und sehr ungewoehnliche Landschaftsbilder und Steinskulpturen zeigt. Auf dem Campingplatz angekommen bemerkten wir sehr schnell, dass wir mit unseren Zelten eher zu den minderbemittelten Outdoor-Urlaubern im Vergleich zu dem gewoehnlichen Amerikaner gehoeren. In Amerika gilt das Schlagwort ‘Big is beautiful’ was sich auch an den Wohnmobilen zeigt.

Vielfach haben diese Gefaehrte dann noch einen ausgewachsenen SUV als Anhaenger, um am Zielort ebenfalls mobil zu sein. Das ganze ist dann schon ein sehr interessantes Bild und wuerde wahrscheinlich dem normalen Tuev-Beamten mehr als Runzeln auf die Stirn zaubern. Man sieht auch sehr oft ausgewachsene Grossbusse als Reisemobil ausgebaut, die an beiden Seiten die Moeglichkeit haben, Erker auszufahren, um den Wohnraum dann nochmals zu verdoppeln. So manche 2 Zimmerwohnung hat damit weniger Platz zu bieten als diese Fahrzeuge. Nachdem wir den Campingplatz verlassen hatten, wartete der erste Aussichtspunkt auf den Bryce Canyon National Park auf uns. Sehr interessiert stiegen wir aus und liefen eine Anhoehe hoch, bisher war alles zwar huebsch, jedoch nicht ‘dramatic’, wie der Amerikaner sagen wuerde. Aber was wir dann sahen, uebertraf doch jede Erwartung:

Es ist wie eine eigene Welt, die Jahrtausende unter einer Muschelschale geschuetzt sich entwickeln konnte und sich nun in voller Schoenheit den Touristen praesentiert, die hier vor Ort kommen. Man kann einfach nur stehen, staunen und Formen, Farben und Licht auf sich wirken lassen. Es gibt hierbei Gesteinsgruppen, die jeweils einen ganz eigenen Charakter und Struktur haben, wie z.B. diese hier:

Ein Meer von erstarrten roten Wellen, eng gereiht und ein Kontrapunkt zu dem schlossartigen Gebilden auf der anderen Seite. Man kann den Bryce Canyon sehr gut mit einer sehr tollen Wanderung aus der Naehe sich anschauen und kann in die Welt der roten Tuerme komplett eintauchen. Es ist wie ein grosses rotes Schloss mit vielen Gaengen, was es zu erkunden gilt. Eine Art natuerliches in rot gehuelltes Neuschwanstein.

Man laeuft zuerst hinab in die Ebene des Canyon, was ueber einige steile serpentinenartige Wege sehr gut zu erreichen ist. Das erste Stueck ist sehr angenehm, da es fast komplett im Schatten liegt. Ist man unten angelangt, so ragen die Gesteinswaende meterhoch in Richtung Himmel. Es sind wie ueberdimensional hohe Gaenge in einem Irrgarten. Mit jedem dieser Gaenge veraendern sich Farben und Licht, alles eingehuellt in einen rotscheinenden angenehmen Schleier.

Im Inneren dieses Gebildes gibt es wieder weite Flaechen, die auch entsprechende Vegetation aufweisen. Die Wanderung wird dadurch sehr abwechslungsreich und bietet fuer jeden etwas. Da man doch einige Stunden in dem Canyon verbringt, ist es notwendig, genuegend Wasserreserven mitzunehmen, zumindestens wenn man im Sommer hier unterwegs ist. Wenn man das beruecksichtigt und ein Faible fuer solche Naturschoenheiten hat, dann ist es ein ganz grosses Erlebnis hier zu sein.

An jeder Ecke bietet sich ein anderer Blick und man weiss gar nicht, wo man ueberall hinschauen soll, um alles in sich aufzusaugen. Man kann auch Bilder entdecken, die man an anderer Stelle auch aehnlich schon gesehen hat, wie z.B. den Balanced Rock, den es hier gleich als Zwilling zu sehen gibt (ok etwas kleiner, aber dafuer sind es auch 2 :-) ).

Der Bryce Canyon war wirklich ein sehr toller Abschluss unserer kleinen Sommerreise und auch ein Highlight unter den tollen Dingen, die wir hier gesehen haben. Es hat uns total viel Spass gemacht und es war toll, dass wir diese Reise mit Luzi und Ecki machen konnten, die noch einige Wochen mehr unterwegs sein konnten, da sie ja ueber etwas mehr Urlaubstage verfuegen als es hier in USA gewoehnlich gibt (die hoechste Steigerung eines amerikanischen Urlaubskontos ist wohl das Ferienkontingent eines deutschen Lehrers angereichert mit den in Deutschland existierenden Feiertagen) .

Damit ist aber natuerlich das Abenteuer Kalifornien noch lange nicht zu Ende, es gibt hier noch sehr viel zu sehen und zu entdecken. Also dranbleiben, es wird auch naechste Woche wieder einen weiteren Bericht von uns hier geben. Wir tun doch (fast) alles fuer euch :-)

Bis bald!