Wir fahren nach GrassValley und treffen uns mit Mathes & Nicki, erklaerte mir Uta ganz begeistert. Grass Valley, das klingt nach einem kleinen vertraeumten Ort, der sich dem suesslichen Genuss von Joints verschrieben hat und in dem der normale Alltag der Realitaet entrueckt ist. Dies waren die ersten Gedanken, die mir bei diesem Namen einfielen und ich malte mir ein von der Welt entschwebtes Staedtchen inmitten des Nichts vor, das wie eine Reinkarnation von Ashburry Heights mit Hippies aller Altersklassen wirken wuerde. So falsch lag ich dann mit meiner ersten Einschaetzung gar nicht. Aber eines nach dem anderen.
Kaum in Grass Valley eingetroffen, trafen wir uns mit mit den beiden, die sich bei dem Cousin von Mathes einquartiert hatten. Rich arbeitet hier als Chiropraktiker in einem vertaeumten Haeuschen, was man nicht so ohne weiteres als eine serioese Gesundheitspraxis erkennen wuerde. Ein weisses Holzhaeuschen inmitten einem riesigen etwas heruntergekommenen Garten, das den leidenden Patienten mit einer weissen Taube und einer Peaceflagge willkommen heisst. Der letzte Anstrich war auch schon einige Jahre vorbei und das Wohnmobil vor dem Haus, diente eher als Geruempelkammer als einem Urlaubsmobil. Da wir nicht wegen irgendwelcher Rueckenleiden hergekommen sind, ging es gleich auf Tour hinein in das wirkliche Leben. Aus allen Ecken klangen Fetzen von unterschiedlicher Musik und in Batik gekleidete Menschen jeder Altersgruppe schwebten gutgelaunt durch die Strassen. Es gab hier eine Art Strassenfest aber mit einem klaren Fokus auf Musik, Essen & Uebersinnliches.

Was sehr auffaellig ist, dass sich hier alle zu kennen scheinen und auch dass alle gute Laune haben. Lag es an der Musik, an der Sonne oder an den Dingen, die man hier in fluessiger oder rauchender Art zu sich nahm? Egal, aber es hatte einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen konnte. Es gab so ziemlich jede Art von Musikinstrumenten zu hoeren und zu kaufen, die man bei Interesse auch sofort vorgefuehrt bekam:

Nachdem wir uns an einem der Staende mit einer Art Kebab, das nach Zusicherung der Verkaeuferin mit viel Liebe und nur mit biologischen und gluecklichen Zutaten zubereitet wurde, gestaerkt hatten, machten wir uns auf die Suche nach einem Dessert. Uta und Nicki fielen dabei gleich einem Eisverkaeufer zum Opfer, der Ihnen ein Bailey-Eis angeboten hatte. Welche Frau kann dabei schon Nein sagen? Verzueckt von diesm kulinarischen Highlight schlenderten wir weiter durch die Strasse und kamen an einem Chiropraktikerstand vorbei. Dabei stellte sich heraus, dass Rich, der uns begeleitete, einen Stand hier hatte, was er wohl voellig vergessen hatte. Es hatte sich trotzdem jemand gefunden, der den Stand schon seit Stunden betreute und den interessierten Besuchern wohl auch was ueber ciropraktische Heilmethoden erzaehlen konnte (soweit die optimistische Interpretation
). Also wie alles hier, sehr professionell und bierernst. Rich musste dann zumindestens den Bekannten abloesen und die lezte halbe Stunde SEINEN Stand selbst betreuen. Wir spazierten weiter in Richtung einer Band, deren Musik uns magisch anzog. Es war eine Art suedamerikanischer Salsamusik, die viele begabte und weniger begabte Taenzer in ihren Bann zog.

Kaum standen wir hier einige Minuten, kam auch schon der erste an, der sich fuer uns interessierte und alles moegliche wissen wollte. Nach einem kurzen Gespraech entfuehrte er Nicki zum Salsatanzen, was ihre grosse Leidenschaft ist. Die naechste halbe Stunde waren die 2 dann auf der Tanzflaeche verschwunden. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, und es war sehr bald jedem Betrachter klar, wer bei diesem Paar tanzen konnte iund wer nicht. Als Mathes nach wenigen Minuten auftauchte und fragte: ‘Wo ist denn meine Nicki?’ war er sichtlich froh, dass sich jemand gefunden hatte, dem es augenscheinlich enormen Spass machte, Salsa zu tanzen und er mit seinem Bewegungstalent heute Abend nicht heralten musste. Nachdem die Staende geschlossen hatten, kam dann auch Rich wieder und schleppte uns in eine Kneipe, in dem ein Bekannter von ihm Musik machte. irgendwie kennt hier jeder jeden oder zumindestens fast alle den Rich.

Die Kneipe war wohl der Treffpunkt von allen, die um diese Stunde noch nicht nach Hause wollten. Gaeste jeden Alters tranken hier noch das ein oder andere Bier und unterhielten sich gutgelaunt. Eine Miniausgabe der Gipsy Kings heizte das Publikum ein und war neben dem Singen damit beschaeftigt sich bei allen kommenden und gehenden Frauen mit Kuessen zu verabschieden bzw. diese zu begruessen. Irgendwie auch kein schlechter Job
. Gehoert wohl hier dazu, alles sehr sympathisch, wobei der Saenger nicht unbedingt als der fotogene Star zu beschreiben war, aber die Musik war klasse.

Das war schon mal ein gelungener Auftakt unseres Besuches und die Reise hatte ja gerade erst begonnen. Es versprach noch sehr interessant zu werden, was dann auch in jeder Beziehung zutraf. Eine in jeder Richtung inspierierender Urlaub, aber dazu mehr in Kuerze. Auf jeden Fall hatten wir jetzt schon viel Spass. Prost!

Bis bald!