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Natural Bridges – Schwanenhaelse, Serpentinen und Kletterlust (Sommerreise Teil 5)

August 8, 2008

Nach einer Nacht in einem richtigen Bett war zuerst mal Fruehstueck angesagt. Es gab eine richtig gute Fruehstueckskarte, nicht nur das oft anzutreffende Continental Breakfast. Das Restaurant war ein richtiger Familienbetrieb einer indianschen Familie, alle waren anwesend von den Kindern bis zu den Grosseltern. Jeder hatte seinen Job in diesem Business. Wir entdeckten in dem Lokal an einer Wand ein Bild von dem Goosenecks State Park, den wir bisher nicht auf unserer Planung hatten. Da er ganz in der Naehe lag und das Bild sehr vielversprechend aussah, war der Entschluss gleich gefasst, und wir machten uns auf den Weg. Dieser Park liegt direkt am San Juan River, der diese bizarre Form mit Hilfe von Wind, Wasser und Frost geschaffen hat. Wie der Name schon sagt, hat er die Form von Schwanenhaelsen. Er ist 1000 Feet tief, was etwas mehr als  300 Metern entspricht.

Nach einigen Fotos nun aber weiter zum eigentlichen naechsten Ziel, dem Natural Bridges National Monument, was im Suedosten von Utah liegt. Wir kamen zuerst noch an dem Valley of the Gods vorbei, was dem Monument Valley sehr aehnlich ist, aber viel unbekannter. Es fuehrt eine 18 Meilen lange schlechte Schotterstrasse in das Valley, was vom Tourismus bisher total unberuehrt ist. Wer also von den Gesteinsskulpturen nicht genug bekommen kann und diese goettliche Umgebung liebt, der ist hier genau richtig.

Um zu den Natural Bridges zu kommen, mussten wir noch eine Bergkette ueberwinden, was tolle Landschaftsblicke freigab. Wir schraubten uns ueber eine Serpentine immer hoeher, bis wir schliesslich den Gipfel erreichten. Auch diese Strasse haette den Namen Schwanenhaelse oder noch besser langer steiler Schlangenweg ohne weiteres verdient.

Nun waren wir endlich im Land der Bruecken angekommen. Im Vergleich zu Florenz oder Venedig, die unzaehlige schoene Bruecken zu bieten haben, sind die Bruecken hier alle ohne menschlichen Plan und Zutun entstanden. Sie sind das Produkt von Wind, Wasser, Erosion und sehr sehr viel Zeit. In diesem Park sind die zweit- und drittgroessten natuerlichen Bruecken der Welt zu sehen. Es gibt hier insgesamt 3 Bruecken, die Kachina, Owachomo und Sipapu Bridge. Die Namen kommen aus der Sprache der Hopi, ein Naturvolk wie die Navajo, die in dieser Gegend lebten. Wir entschlossen uns zu einer der Bruecken hinabzusteigen, um das ganze intensiver zu erleben. Also Wasser und Foto gepackt und los ging es den Weg hinunter. Die Leitern erschienen ebenfalls noch ein Ueberbleibsel aus der Zeit der Naturvoelker zu sein, machten die ganze Sache aber spannender.

Es ging nun immer tiefer hinab und gleichermassen erschien die Bruecke immer groesser und gigantischer. Kaum zu glauben, dass so etwas einfach aus dem Nichts entsteht. Auf dem Weg kamen wir an folgendem Schild vorbei, was sofort die Aufmerksamkeit von Uta und Ecki auf sich zog (‘Klettern auf der Bruecke strengstens untersagt’).

Irgendwie regte dieses Schild die Kreativitaet der beiden erst richtig an, denn ploetzlich entdeckten sie ueberall versteckte Kletterrouten, die der Menschheit unverstaendlicherweise vorenthalten werden sollten. Tiefer und tiefer bohrte sich nun die Lust den Fels mit Haenden zu fassen und die Wand zu bezwingen. Diese aufkeimende Lust nach dem Verbotenen musste nun sofort befriedigt werden. Daher wurde das Klettern jenseits der Bruecke in Angriff genommen. Wie man sieht, war der Spassfaktor bei Uta extrem hoch :-) Pech fuer den Fels, dass er es nicht zur Bruecke geschafft hat, also ein geborenes Klettereldorado.

Kaum unten angekommen, machten sich Uta und Ecki daran, an der hinteren Schulter der Bruecke hochzulaufen; ‘Mal sehen, wie weit wir kommen. Von da oben hat man sicher eine gute Aussicht’. Jeder, der sie kennt, weiss nun genau, was als naechstes kommt. Genau, die zwei kleinen Striche inmitten der Bruecke sind Uta und Ecki, die sich auf die Bruecke gewagt haben. Man kann nun erahnen, wie hoch die Bruecke ist. Nach Aussage der beiden war die Bruecke an dieser Stelle nur wenige Meter breit, jedem sein eigener Adrenalinkitzel. So manch einer haette sich wahrscheinlich auf den Bauch gelegt und waere wieder zurueckgerobbt, damit kein Wind ihn von der Bruecke weht. Aber es gibt auch die andere Spezies, fuer die so etwas mehr einen Spaziergangcharakter hat ….

Der Aufstieg war ein bischen beschwerlicher als der Abstieg, aber die Wanderung hat sich auf jeden Fall rentiert. Man erlebt diese Naturschoenheiten sehr viel authentischer. Wie man an den Gesichtern sieht, hatten alle viel Spass und waren auch mit diesem Tag hoch zufrieden.

Nun aber wurde es Zeit einen Campingplatz zu suchen, den wir in der Wuestenstadt Moab gefunden haben. Die meisten anderen Touristen waren mit grossen Wohnmobilen unterwegs, die Zelte waren klar die Ausnahme. Morgen werden wir den ersten Teil des Canyonlands National Parks genauer erkunden, also es bleibt weiter spannend.

Bis bald!