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Ritter sind auch nur Menschen – Teil 2

November 16, 2008

Als naechstes war ein weiterer Wettkampf mit der Lanze, bekannt als der ‘torkelnde Soldat’ angesagt. Hierbei muss das Schild des ‘Soldaten’ so getroffen warden, dass dieser moeglichst viele Umdrehungen macht. Die Wettkaempfer waren in dieser Disziplin das beste Duo, was unter dieser Sonne momentan existiert. Das Endergebnis konnte daher auch nur wieder zum Gleichstand fuehren.

Ritter Lanze 2

Also musste nun die Entscheidung ueber den letzten Wettkampf mit dem Schwert herbeigefuehrt warden. Dieser als der ‘blecherne Krautkopf’ bekannte Wettstreit ist das Highlight der Spiele ausgenommen fuer eine Person. Aber seht selbst:

Ritter Krautkopf 1

Das Zittern beginnt, Flucht ist unmoeglich…

Ritter Krautkopf 2

Wird es gutgehen oder verliert der Arme seinen Kopf?

Ritter Krautkopf 3

Da der Zweite Ritter nur den Helm und nicht den Krautkopf erwischte, war the Knight of the Year nun gefunden. Die Zuschauer waren zufrieden und feierten den Sieg ausgiebig.

Feiern San Francisco

Wir konnten danach die Postkutsche zu unseren abgestellten Pferdchen nehmen und nach Redwood City reiten. Oder so aehnlich zumindestens.

 

Bis bald!

 

 

 

 

 

Ritter sind auch nur Menschen oder San Francisco im Mittelalter

November 16, 2008

Am Sonntag schlenderten wir zusammen mit Mathes & Nicole durch das Zentrum des Ungewoehnlichen in Kalifornien bei den Kennern auch als San Francisco bekannt. Ihr konntet ja in unserem Artikel ueber Ashburry Heights einen ersten Eindruck davon bekommen (wer es noch nicht gelesen oder inzwischen wieder vergessen hat, dann sofort in unserem Archiv danach stoebern, es soll ja keiner dumm sterben J ).

Also wieder in Richtung Golden Gate Park, dieses Mal zu einem ganz besonderen Event, dem sogenannten Renaissance Fair, eine Art Festival des Mittelalters noch viel weiter zurueck als die hier noch gelebte Hippiezeit. Am Eingang zu dem Festival wurden wir bereits von einem kleinen Ritter in Begleitung empfangen. Was wir nicht wussten, dass es Handies auch schon damals gab. Tja, so kann man sich taeschen und es zeigt, dass unsere Geschichtslehrer auch nicht alles wussten…

SF Ritter 43

 Kaum in dem Inneren der mittelalterlichen Zeltstadt angelangt, wollte uns einer der Haendler ueberzeugen, dass wir so in diesem Aufzug eigentlich hier nicht herumlaufen koennen, so ziehen nur Aussaetzige und Bettler durch das Land. Und was mit denen passiert, versuchte er uns sehr plastisch zu erklaeren, alles Geschichten, die ihm von anderen reisenden Haendlern ueberliefert wurden. Wirklich ein schauerliches Schicksal schien uns beschieden… Aber in diesen Jahren war noch der Mut des Eiznelnen gefragt, also entschlossen wir uns trotz seiner eindringlichen Ratschlaege erst einmal ohne Outfit-Aenderung durch dieses Abenteuer zu schlagen. Ob das eine sooo gute Idee war, wird sich nun in den naechsten Stunden zeigen. Anzeige & Gerichtsverfahren waren in diesem Jahrhundert noch so unbekannt wie eine Parkuhr …

SF Ritter 54

An der naechsten Ecke wurden wir auch sofort Zeuge eines solchen Schnellgerichts. Die Dienstmagd Beth hat einige unangemessene Bemerkungen ueber einen hochgestellten Herrn aus guter Gesellschaft gemacht. Sie war wohl durch einige Becher des guten von Moenchen gebrauten Bieres sich ihrer Rolle und Kompetenzen nicht mehr ganz bewusst gewesen und hatte versucht, sich einen Mann aus besserem Hause zu angeln. Sie hatte jedoch nicht bemerkt, dass seine Frau in der Naehe sass und dem Flirt ein schnelles und rauhes Ende bereitete. Die Strafe folgte sofort und sie wurde mit einigen Peitschenhieben wieder in die harte Realitaet zurueckgeholt. Ein schmerzhaftes Ende eines suessen Flirts…

SF Ritter 72

Ein paar Schritte weiter zogen wir gleich die Aufmerksamkeit der lokalen Ordnungskraefte auf uns, die von ihrer Ruestung mit unserer heutigen Polizei nur noch schwer vergleichbar sind. Auch kennen sie wohl den Spruch nicht, dass einem erst einmal die Rechte vorgelesen werden und man einen Anwalt hinzuziehen kann (welche Rechte und was ist eigentlich ein Anwalt?). Auf jeden Fall verfolgten uns kritische Blicke…

SF Ritter 58

Einige Schritte weiter empfing uns ein Trio, was man nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt. Es wirkte wie ein Zusammentreffen von Priaten aus der Karibik und Arthurs Tafelrunde. Scheinbar verstanden sich diese unterschiedlichen Kulturen jedoch auf Anhieb, was zeigt, dass sich in Amerika schon sehr frueh die Multikulti-Gesellschaft etablieren konnte. Eine schnell herbeigeeilte Dienstmagd konnte sich in dieser Runde ihren sehr passenden Kommentar nicht verkneifen: ‘I am feeling completely underdressed!’. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufuegen.

Competely Underdressed

Wir schlenderten weiter und kamen an eine groessere Menschenansammlung, die sehr gespannt einer Auffuehrung lauschten. Wir wuehlten uns durch das Volk weiter nach vorne. Wir konnten sehr bald erkennen, dass es auch schon zu dieser Zeit angesagt war, sich durch ausgefallene Kleidung und Haartracht aus der Menge hervorzutun. Jedoch hatte man in einem solchen Aufzug als Frau immer das Risiko, als Hexe geaechtet zu werden und einem heissen Tod entgegenzusehen. Tja, alles hat seinen Preis…

SF Ritter 77

Der Zauberkuenstler zog jeden in seinen Bann und hatte ein grosses Repertoire von Tricks, das die Menge zum Toben und Staunen brachte. Er zog damit Alte und Junge, Arme und Reiche, Ritter, Landstreicher und auch kleine Prinzessinen in seinen Bann.

SF Ritter 82

Wie bei jeder heutigen Grossveranstaltung forderte auch im Mittelalter der unmaessige Verzehr von Alkohol bei manchen Gaesten schnell seinen Tribut. Ausserdem stand auf betrunkenes Heimreiten und Gefaehrdung der oeffentlichen Postkutschen durch Betrunkene das Teeren und Federn des Delinquenten. Daher zogen es viele vor, sich lieber erst einmal vor Ort auszuschlafen, wenn dies auch nicht in jedem Fall der beste und sicherste Ort fuer ein Schlaefchen war.

SF Ritter 89

Da das Ganze hier in USA statfand, hatten sich auch noch andere Kulturen unter das Volk gemischt, die in diesen Gefilden schon sehr lange ansaessig waren. Die Fans von John Wayne & Clint Eastwood Filmen ahnen nun, von was ich spreche. Hier sieht man auch, dass die Amerikaner die deutsche Gruendlichkeit einer geschichtlichen Trennung von Epochen eher tolerant sehen oder dies ist die noch unentdeckte Ecke des Woodookults, der vielleicht auch schon im Mittelalter seinen Ursprung hatte. Erste Beweise dieser Theorie konnten bei genauem Hinsehen entdeckt werden.

SF Indianer

Auf jeden Fall hatten sich unbemerkt viele Seeraeuber unter das Volk gemischt. Johnny Depp aus Pirates of Caribbeans trieb hier ebenfalls sein charmantes Unwesen. Er rechnete nicht damit, dass Geschichtenerzaehler seine Abenteuer schon herumerzaehlt hatten und viele junge Frauen heimlich seine Bilder kauften. Er fuehlte sich unerkannt unter diesem bunten Treiben, was vielleicht ein Fehler war, da auch seine Untaten doch sehr bekannt waren. Wer weiss, was er heute noch erleben wird…

Pirates of Caribbean

Es zog uns weiter in Richtung Ritterspiele und wir freuten uns bereits auf den angepriesenen Zweikampf der Ritter. Aber nun flogen wir doch auf, zu lange waehnten wir uns trotz unserem unpassenden Aufzugs in Sicherheit. Einer der Zivilpolizisten hielt uns an und wollte uns mit Waffengewalt in den Kerker verschleppen, wo wir dann wohl die naechsten Monate bei Wasser und Brot zugebracht haben. Auch die Schwangerschaft von Nicole hatte er nicht als Ausrede gelten lassen.

Verhaftung

Aber er hatte nicht damit gerechnet, dass wir Super-Uti dabei hatten, die schon in anderen Geschichten ihre ausserirdischen Kraefte spielen liess (ihr erinnert euch an den abrutschenden Felsen in Canyonlands? Wenn nicht, Marsch, Marsch nachsitzen und nachlesen). Sie zog in sekundenschnelle ihren Dress an und verbrachte diesen Stoerenfried in die Wueste Nevadas, wo er nun andere belaestigen konnte. Nur gut, dass Uta immer genug Klamotten fuer solche Zwischenfaelle und Wintereinbrueche inmitten Kaliforniens dabei hat J

Nun aber schnell, zu den Spielen, die bereits begonnen hatten, die Ritter stellten sich schon der johlenden Menge vor.

Rittervorstellung

Zuerst war der Wettkampf mit der Lanze angesagt, hierbei mussten moeglichst viele Ringe eingesammelt werden. Die Ritter schlugen sich bei dieser Disziplin ausgesprochen gut und nach dem ersten Durchlauf herrschte Gleichstand.

Ritter Lanze 1

Wie wird es weitergehen? Kann Kunibert das ganze fuer sich entscheiden. Fragen ueber Fragen, unendliche Spannung. Freut euch auf den 2. Teil, hier in diesem Theater in Kuerze.

Bis bald. 

Familie Leineke (alias Prigge) tollt durch San Francisco

November 7, 2008

Ein wunderschoener Besuch von meinem Bruder Ulf mitsamt Familie: Antje, Mark, und Sven.

Family

Das Highlight der Wohnung fuer die Kinder war definitv der Fussballkicker, jede Minute ausgebucht. Das zweite Highlight am Folgetag war dann San Francisco:-). Vom Parkplatz aus konnten wir gleich die Golden Gate Bridge betrachten (ja, ohne Nebel), dann freute sich Sven, weil er schon kurze Zeit spaeter Alcatraz sah. Als naechstes kamen wir an eine paar Gauklern vorbei, die bei Fisherman’s Wharf genug Publikum bekommen: Ein fahrend spielender Pianist, Maler die jeden Touri als Superman abzeichnen. Manchmal kommt man auch einem Busch vorbei. Beim ahnungslosen Weitergehen springt Dich dieser an mit einem kurzen Kampfschrei.

Alcatraz

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Wir kamen an Fischstaurants mit reich bestueckten Glastischen mit Meerestieren inklusive Hummer vorbei, dann an einem einem Schaufenster hinter dem 3 fixe Baecker Rosinenbrot kneteten. „Wie lange muss ich denn noch laufen und wohin wollen wir ueberhaupt“ kam dann auch bald von Nicht-Marathonlaeufer Sven. Andere Touris hatten es besser: Sie hatten laecherliche kleine Plattformen, die etwas mit 8 km/h fahren, aber immerhin musste man nicht selbst laufen fand Sven:

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Es wurde also Zeit, dass wir zum Pier 39 kamen, wo diesmal allerdings nur wenige Seeloewen herumlungerten. Eine Bootsfahrt mit Aussteigen auf Alcatraz war leider ausgebucht. Ein grosses Highlight fuer die Kinder wartete nur 200 m entfert: Das Regenwald-Restaurant mit lebensgrossen, ferngesteuerten Tieren. Als Mark einem Gorilla die Hand schuetteln wollte, und der sich abwandte, maulte Mark entruestet: „Der mag mich nicht“. Beim 2. Mal hinschauen war aber auch dieses Missverstaendnis aus dem Weg geraeumt. Der Elefant hatte es beiden angetan, bis der die Nase voll hatte, und sie mit einem klitzekleinen Ruck seiner Stosszaehne von der Balustrade befoerderte..

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Wenn man Mark fragt was das Tollste an San Francisco ist, sagt er vertraemt: „Cable Car“. Dieses Verkehrsmittel wird gut ausgeschlachtet von der Stadt und wir warteten lange bis wir endlich in einen Wagon passten. Bis dahin wussten wir noch nicht, dass man besser 2-3 Haltestellen spaeter einsteigt, da sie oft Plaetze fuer spaetere Gaeste freihalten. Ein Fahrzeugfuehrer steht in der Mitte an einem langen Stab, mit dem er manuell bremst und beschleunigt – sehr oft noetig in den steilen huegeligen Stranssen San Franciscos. Die Bremskloetze sind immer noch aus Holz! Am Ende der Strecke ist eine Drehscheibe auf die der Wagon faehrt. Dann hetzen 3 Bedienstete herbei, die sich mit vollem Koerpereinsatz gegen den Wagen stemmen, damit die Drehscheibe sich um 180 Grad dreht und er zurueck fahren kann.

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Wir kamen an der beruehmten Lombard street mit ihren steilen Kurven und Blumenbeeten vorbei. Dann stiegen wir in China Town aus. Es ist sehr voll dort, viele Ramschlaeden, aber wenn man gut hinschaut findet man auch ein paar wertvolle Gegenstaende in den teureren Laeden. Wir zogen allerdings das Anziehen peinlicher Huete und reiten auf chinesischen Steindrachen vor.

Nach Rueckfahrt mit Cable Car kamen wir puenktlich zum Sonnenuntergang wieder zur Golden Gate. Perfekter Moment fuer ein Foto inklusive V-Form der Moewen. Manche allerdings wissen nicht mal was sie verpassen, waehrend sie versuchen eine Moewe(!) auf einem Stein am Ufer perfekt und langweilig vor die Linse zu bringen (Antje und Chris wissen was ich meine:-). Zuhause gab es unsere gegrillten dicken Lieblingssteaks vom Costco (Ihr erinnert Euch, die beliebte Kreuzung aus Aldi und Metro).

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Am naechsten Tag beschloss Sven er hat Muskelkater und moechte heute mal nicht so viel Laufen „wie Ihr immer wollt“. Also ging es an den Strand von Santa Cruz. Nach einer wilden Kletterpartie (die gesamte Familie Prigge/Leinecke sind begeisterte Kletterer) ueber eine Art hohe Buhne (aufgrund der Flut konnte man nicht mehr davor her laufen), konnte beim Rumtollen im Sand auch Marks neues Outfit vom Outdoor Anbieter REI auf Strapazierfaehigkeit geprueft werden: Eine rote Hose mit einem engen schwarzen Surfer-Shirt, das seinen kleinen athletischen Oberkoerper top zur Geltung bringt und ihn stolz macht. Den Rueckweg haben wir dann lieber durch eine dunkle wasserbedeckte Hoehle genommen: Hosen hochziehen, und Zaehne zusammenbeissen wenn sie aufgrund einer Welle doch mal nass wird. Wer solche Spaesse nicht mag, kann sich auch direkt am Strand von Santa Cruz in die tosende Loopingbahn oder den Freefalltower setzen. Sven jedoch beschloss er wird ein beruehmter Kite Surfer (auch wenn er noch auf sein neues Outfit warten muss).

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Die Familie, die immer mit MAUS unterschriebt (aus den Anfangsbuchstaben von Mark, Antje, Ulf, Sven) bereiste noch viele Nationalparks wie Big Sur, wo sie uebrigens Ecki und Lutzi trafen!, fanden wunderschoene Badestellen und Wanderungen in Pinnacles, Sequoia, Yosemite und Mono Lake. Zurueck bei uns sahen wir uns noch einmal gemeinsam Mammutbaeume an, bestiegen Mount Tamalpais (den Ihr auch schon kennt) und bauten am beruehmten Stinson Beach Sandburgen. Zum Abschluss gab es wieder dicke 400 g Steaks in Redwood City, zusammen mit einem Kickertournier der Kids.

Hippies forever – Ashbury Haight

Juni 27, 2008

Dass San Francisco eine sehr spezielle Stadt ist, merkt man sofort, wenn man einmal inmitten der Huegel und Cable Cars entlang schlendert. Sie bietet wirklich fuer jeden Geschmack eine sehr eigene und charmante Erlebniswelt. Um eine weitere Portion dieses Gefuehls von Grossstadt und Abenteuer zu erleben, entschieden wir uns, eine der schraegsten Ecken der City (wie die Leute hier San Francisco liebevoll nennen) naeher kennenzulernen. Nach den letzten Pisa-Tests wissen sicher alle von euch, dass San Francisco seit den spaeten 60ern als ein Zentrum der Hippie Kultur gilt. Dieses Zentrum - Ashbury Haight, die Kreuzung der Strassen Ashbury und Haight Street, war also schnell in unsere Susi (unser hilfreiches Navi) getippt. Manche von euch, die damals schon jung waren (und es heute natuerlich immer noch sind) bekommen jetzt wohl melancholische Gefuehle. ‘All you need is love’, ‘Flower Power’, ‘Make love not war’, das war das Lebensgefuehl einer ganzen Generation, die mit allem brechen wollte, was bis dahin bekannt war und als Normalitaet galt. Alles Vergangenheit? Nicht so ganz, also zumindestens nicht fuer alle und fuer jeden Ort… Aber ihr werdet es gleich sehen und lesen. Also nochmals zum mitschreiben und lesen, die damals noch nicht geboren waren oder in der Schule bei diesem Stoff gerade gefehlt hatten: Ashbury Haight war eines der Hauptzentren der Hippie Bewegung, die die Kultur und das Denken einer ganzen Generation massgeblich beeinflusst hat. Es war der Schmelztiegel fuer Aussteiger aus der ganzen Welt, die hier an den Grundfesten der bisherigen Gesellschaft ruettelten und alles bisherige durch ein neues Glueck ersetzen wollten. Musiker wie Janis Joplin oder Jefferson Airplane wohnten in dieser Strasse und komponierten hier die Lieder, die der Welt von diesem neuen Lebensgefuehl erzaehlten. Also dank Susie nichts wie hin. Hallo Hippies von gestern und heute, wir sind gleich bei euch :-)

Als wir dort ankamen, war bereits der Teufel los. Menschenmassen liefen durch die Strassen, angezogen von Musikfetzen, aussergewoehnlichen Menschen und Outfits sowie der Suche nach einem Abenteuer an diesem sonnigen Tag. Wir erfuhren, dass ausgerechnet heute das jaehrliche Hippiefestival stattfindet, ein totaler Glueckstreffer. Wir liefen die Haight Street hoch und sahen zu Beginn die aeusserst filigrane und charmante Saengerin, die ihr Liedchen traellerte. Der wahrgewordene Traum aller Schwiegermuetter :-) . Ihrer Stimme nach zu urteilen, hatte sie die richtige Entscheidung getroffen und ihre Karriere nicht als Primaballerina versucht:

Ein vielversprechender Anfang. Weiter, angelockt von bunten Farben, interessanten Klamotten tauchten wir tiefer ein in dieses Strassenfest des Anderen und Ungewoehnlichen. Wir hatten nicht ganz die Farben der Kleidung getroffen, was hier so en vogue war. Aber man konnte gegen harte Dollars und gute Worte die Verkaeufer dazu ueberreden, sich von liebgewonnenen Dingen zu trennen. Es gab fuer jedes Alter das entsprechende Outfit zu erwerben:

Man kann ja nicht frueh genug anfangen, sich in gutem Geschmack zu ueben ( :-) ). Diese textilen Farbreize wurden untermalt von weiteren Highlights, die man in anderen Gefilden doch nur selten zu Gesicht bekommt. Am naechsten Stand hatte sich Willi (der Freund von Biene Maja, der inzwischen auch schon etwas aelter ist und eine Brille benoetigt) niedergelassen und selbst produzierte Kerzen verkauft (die ganz sicher aus gefaerbtem Bienenwachs bestanden):

Kaum hatten wir uns von unserem Bienenfreund losgerissen und einige Meter weiter nach vorne gekaempft, erblickten wir ein weiteres Paar, das eine Mischung aus Hippie, Asterix und Wikinger in einem Gesamtkunstwerk verkoerperte. In der Auslage hatten sie gluecklich machende Nuesse und Gemuese. Leider war ihnen nicht zu entlocken, mit welchen Rezepturen sie die Nuesse behandeln, um diesen Effekt zu haben. Auf jeden Fall fanden sie ihr Geweih klasse und ausserdem freuten sie sich ueber die Sonne und den schoenen Tag:

Wir hatten uns gerade von diesen Koestlichkeiten losgerissen, da entdeckten wir einen ueberdimensionalen schwarzen Hasen mit weissen Ohren und Zylinder unter den Gaesten (oder kam das von den Gluecksnuessen?):

Ein Stueckchen weiter trafen wir auf eine Gruppe, die wohl schon zur Gruendung der Hippiekultur sich hier eingefunden hatten und dies so klasse fanden, dass sie hier sich niedergelassen haben. Ok, sie sind auch etwas aelter geworden, aber noch genauso cool und frei wie damals. Was sind schon ein paar Jaehrchen im Vergleich zur unendlichen Glueckseligkeit? Aufgrund ihres eisernen Entsagens von Fernsehen und Zeitungen, haben sie ihre Mode und Haarschnitte der aktuellen Mode nur sehr bedingt angepasst.

Neben der etwas reiferen Ausgabe dieser Art von Fundamental-Hippies fanden sich auch andere Hohepriester aller Herren Laender an diesem Tag hier ein, um sich neue Inspiration fuer die naechsten Belehrungen ihrer Juenger zu holen. Weiterbildung ist in jedem Bereich wichtig und Inspiration ist ebenfalls unverzichtbar:

Als naechstes lief mir eine total abgefahrene Braut ueber den Weg. Ich hatte irgendwie das Gefuehl, dass ich sie irgendwoher kenne, aber das kam vielleicht von den Gluecksnuessen oder dem suesslichen Geruch, der mir in die Nase gestochen war:

Noch in Gedanken „woher kenne ich diese huebsche Frau nur?’ wurde die Aufmerksamkeit auf eine verjuengte Version eines Adriano Celentano gelenkt, der mit seiner Gitarre die Grundlagen fuer eine weitere neue Weltkarriere legte. Was Janis Joplin und andere von hier aus geschafft haben, ist Ansporn genug:

Hier war irgendwie fuer jeden und alles Platz, gar kein Problem. Beschwingt von Musik, Bildern, Bier, Farben und Leuten hatten sich manche in eine glueckseelige Trance getanzt. Das Spektrum reichte von der gruenen Baerenmuetze ueber Batik-Shirts bis zum freien Oberkoerper mit Schottenrock, alle vereint in gute Laune und mehr oder wenig guter Musik.

Da behaupte mal einer, die Hippiekultur ist von vorgestern – Hippie lives forever. Wer es nicht glaubt, der muss herkommen und sich selbst ueberzeugen und sich ein kleines bischen von der Verruecktheit anstecken lassen.

Bis bald!

Lands End – San Franciscos gruene Seite

Mai 18, 2008

San Francisco ist anders als viele amerikanische Staedte und hat einen ganz besonderen Reiz. Sie ist wie eine ‘Bella Donna’, die jeden mit ihrer Anziehungskraft in ihren Bann zieht, sobald man in ihre Naehe kommt. Sie hat wie jede interessante Frau unterschiedlichste Seiten, die man erst ueber laengere Zeit entdeckt: die liebenswerte (mit den vielen Huegeln, Cable Cars, Strandhaeusern, Golden Gate Bridge), die verschwenderische (mit der Marina, Fishermans Wharf, den Piers), die geheimnisvolle (mit China Town und dem Japan Viertel), die offizielle (mit Market Street und Mission District) und die natuerliche Seite (Golden Gate Park, Presidio und Lands End). Aber genauso schwierig und lueckenhaft wie jede Beschreibung einer Traumfrau ist es, San Francisco zu erklaeren. Man muss sich verzaubern lassen, die Zeit vergessen, die Situation geniessen und sich freuen in diesem Augenblick genau hier zu sein. Ein Flirt mit dieser Stadt zaubert unweigerlich ein Laecheln auf das Gesicht dessen, der diese Schoenheit auf sich wirken laesst. Ein heisser Flirt, von dem man sich nur sehr schwer wieder trennen moechte… Na, endlich Lust, uns hier zu besuchen?

Lands End ist eine dieser gruenen Seelen von San Francisco, die man sehen sollte, wenn man einen Sinn fuer Landschaften hat. Fuer alle anderen bietet sich zumindestens ein toller Blick auf die Golden Gate Bridge. Man kann Lands End ueber einen ca. 3 Meilen langen Rundkurs bewandern, was wir eigentlich jedem empfehlen koennen. Am Beginn kurz hinter China Beach muss man ein bischen auf tieffliegende Golfbaelle achten, da sich direkt gegenueber ein Golfplatz fuer Anfaenger befindet. Hat man unbeschadet die ersten Meter hinter sich gebracht und die ersten Jogger freundlich mit einem Hi und einem Laecheln begruesst, gibt es am Eagle Point den ersten tollen Blick auf die Golden Gate Bridge:

Gegenueber befindet sich Marin Headlands und dazwischen der tolle blaue Ozean. Wir hatten uns dieses Mal fuer eine Tour in San Francisco richtig angezogen, d.h. auf jeden Fall Jacke oder Fleece dabei. Man wuerde es nicht glauben, aber es ist hier auch im Sommer kuehl. Viele der Jogger, die Lands End als ihre Trainingsstrecke nutzen, haben Handschuhe an. Naja, der normale Kalifornier war sicher noch nie im Januar bei -20 Grad in den Hoehen von Trois Vallees, aber das ist eine andere Geschichte… Auf jeden Fall mit T-Shirt und Shorts, wie der gemeine Tourist sich das vorstellt, zeigt die Schoene ihre kalte Schulter und blaest mit kuehlem Wind jede Vorstellung von Sommer und Waerme aus den Gliedern. Ihr wisst, die Launen einer schoenen Frau soll man nicht versuchen zu verstehen, sondern man sollte auf sie vorbereitet sein… Der Weg wechselt ab zwischen einem dichten Wald, der immer wieder seine ’sweet spots’ mit tollem Blick auf Kueste, Meer und andere natuerliche Schoenheiten freigibt:

Als naechsten Hoehepunkt kommt man an Sutro’s Bad, die Ruine einer ehemaligen Salzwasser-Schwimmhalle, die sich in die wilde Landschaft direkt integriert hat und einer groesseren Anzahl von Enten und Voegeln nun als privates Freibad dient.

Am Ende liegt das Cliffhouse, ein Restaurant mit direktem Meerblick an den Seal Rocks, an denen frueher die Seehunde ihr Domizil hatten. Inzwischen tummeln sie sich lieber am Fishermans Wharf und geben dort ihre Konzerte. Wahrscheinlich haben sie so mehr Zuhoerer und bekommen mehr Beifall, who knows…  Wer jetzt eine Ruhepause benoetigt, kann sich am Point Lobos an dem anschliessenden Ocean Beach erfrischen oder den Kitesurfern bei ihrem Treiben zuschauen. Bei entsprechenden Wellen sieht man auch Surfer, die die perfekte Welle suchen

Nun aber wieder zurueck ueber eine alternative Route. Die rauhe Landschaft, die sich auf diesem Weg zeigt, ist einfach unbeschreiblich schoen. Die Amerikaner beschreiben diesen Teil von San Francisco als ‘wild, beautiful, dramatic and incredible’. Was kann ich noch mehr sagen? Ein weiteres Bild sagt doch mehr als tausend Worte:

Wenn man bedenkt, dass man inmitten einer Grossstadt ist, sind diese Ausblicke noch umso beindruckender. Wenige Meilen vom Hummer und Seafood Grill am Fisherman’s Wharf ist man gefangen in der rauhen Schoenheit des Ozeans mit seinen Steilkuesten, wenige Meter entfernt vom Strandleben. Wer jetzt nicht ueberzeugt ist hierherzukommen, der verpasst was! Aber nicht vergessen, Jacke einpacken trotz kalifornischer Temperaturen. Ihr wollt euch doch nicht gleich auf dem ersten Ausflug als Tourist outen, oder?

Bis bald!

 

 

Wochenende in der Bay Area – Fuer jeden was dabei…

April 15, 2008

Nachdem wir waehrend der Woche die Moebel zurechtgerueckt, die Bilder aufgehaengt, abgehaengt und umgehaengt haben, lag das Wochenende unter einem Relax Motto. Unsere Nachbarn hatten jedoch ganz andere Plaene. Nach dem gemuetlichen Wochenend-Fruehstueck wollten wir noch einkaufen gehen, da wir fuer Sonntag die ‘German Community’ eingeladen hatten, unsere deutschen ‘Mit-Amerikaner’. Da wartete gleich die erste Ueberaschung auf uns, dass der Vorplatz unserer Garage inklusive der Vorgarten des Nachbars fuer eine ganz andere Form der amerikanischen Freizeitbeschaeftigung bereits genutzt war.

Das ganze nennt sich Yard Sale oder Garage Sale, abhaengig von der Gegebenheit. Eine uramerikanische Fruehform des lokalen ebay-Verkaufs. Kein Wunder wurde ebay hier erfunden und ist hier so erfolgreich. Das ganze spielt sich folgendermassen ab: Man sammelt allen moeglichen Kram in der Garage, so dass kein Auto mehr rein passt. Irgendwann nervt es so, dass niemand mehr einen Schritt in die Garage tun kann, dann wird zum ultimativen Show-Down gerufen. Ein Schild wird gemalt, an die Strasse gestellt und aller Kram rausgeraeumt, um die ausgehungerten Schnaeppchenjaeger mit neuem Stoff zu versorgen. Am Wochenende zieht diese Spezies dann suchend und lechzend durch die Strassen, um diese anfassbaren ebay-Tempel ausfindig zu machen und sich der Sammel- und Kauflust hinzugeben (man moechte ja nicht hinten anstehen und selbst auch ein solchen Event in naher Zukunft ausrichten). Dieser Kauf- und Verkaufsvirus (buy one and get one for free) macht weder vor Alter, noch Nationalitaet halt. Daher hatte sich unsere Nachbarin (wohnt im Geschoss ueber uns) gleich mit sportlichem Eifer daran gemacht, die potentiellen Kaeferhorden auf ihre Waren umzulenken.

 

 Auf diese unerwartete Herausforderung, war die andere Nachbarin nicht gefasst, ruestete nochmals nach und holte aus weiteren Untiefen ihres Hauses zusaetzlichen Kram, um die nach jederzeitigem Konsum Abhaengigen auf ihre Seite zu ziehen. Nachdem dieses Manoever nur sehr bedingt Erfolg hatte, war sie so niedergeschlagen, dass sie ihren Frust mit einer Flasche Bier in 30 Grad Hitze zu ertraenken versuchte. Was wiederum die Kaufwilligen freute, da ihr Verkaufseifer damit etwas gebrochen war (Take the whole box for just 5 bucks). Vielleicht war es auch nur eine wirklich sehr ausgefuchste Verkaufstaktik, die jahrelange Uebung voraussetzt, who knows :-)

 

Leider konnten wir diesem ueber alle Massen spannenden und sportlichen Wettkampf der Profis nicht weiterverfolgen, da wir noch einige Vorbereitungen fuer den Kaffeeklatsch am naechsten Tag machen mussten, was auch seine eigenen Tuecken in sich barg. Uta beschloss eine Tiramisu zu machen, um ein bischen liebgewonnenes italienisches Flair in den heissen kalifornischen Sonntagnachmittag zu bringen. Ein Rezept war gleich zur Hand und es klang eigentlich ganz einfach: Mascarpone oder alternativ Quark mit Creme fraiche, Zitrone, Eier, Weinbrand, Kakaopulver & Loeffelbiskuit. Also in den naechsten Grocery-Store (Supermarkt). Da war es dann, das Problem. Zitrone & Eier waren ja gleich gefunden. Mascarpone ist hier so unbekannt wie Eschelbronn oder Buende. Aber wir hatten ja einen Alternativplan Quark & Creme fraiche; soweit so gut, nur dies war auch nicht unbedingt eine grosse Hilfe. Es gibt hier zwar alle moeglichen Arten von Low fat cheese und aehnnlichem, aber Quark zu finden ist fast so schwer wie ein Edelweiss auf einer Bergtour. Die beste Naeherung war ein koerniger Frischkaese, den wir anschliessend mit dem Ruehrgeraet gezwungen haben, sich zu benehmen wie ein Quark :-) . Auch weiss ich jetzt, dass Loeffelbiskuit Lady fingers heisst (lag ja eigentlich nah…). Es war auf jeden Fall schon lustig bei der Zubereitung und die Gaeste sagten, es schmeckt interessant (was auch immer das heissen mag), wir fanden es schmeckt super (zumindestens fuer USA, ein italienisches ‘Entwicklungsland’ auf den ersten Blick).

Um nicht den ganzen Sonntag zu ‘vertroedeln’ sind wir dann gegen Spaetnachmittag noch nach San Francisco gefahren, um uns von der Hitzeschlacht (ueber 30 Grad im Schatten) wieder etwas abzukuehlen; die Moeglichkeiten hier in der Bay Area sind einfach klasse, vom Einkaufen italienischer Spezialitaeten mal abgesehen, aber wahrscheinlich muessen wir hierfuer noch Salvatores Im- & Exportladen entdecken…

In San Francisco fanden wir wettertechnisch eine andere Welt, mindestens 10 Grad kaelter und Nebel. Wir hielten es bisher fuer ein Maerchen, dass San Francisco im Sommer meistens im Nebel liegt, aber die Fakten sprachen eine eigene Sprache.

 Die Seehunde am Pier 39 sind dieses Wetter wohl gewohnt, sie kuschelten sich eng aneinander und genossen den Blick auf Alcatraz, naja man konnte es mehr erahnen unter einer Nebeldecke als wirklich sehen. Sie hatten eine muntere Unterhaltung, der wir jedoch aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht richtig folgen konnten (sprechen amerikanische Seehunde anders als deutsche?….).

Uta versuchte dem Konzert zu lauschen und dachte wohl darueber nach, wieviele tolle Mauern wohl Alcatraz hat, die man beklettern koennte. Aufgrund der schlechten Sicht, konnte sie jedoch nicht richtig den Schwierigkeitsgrad ausmachen und ist wohl heute noch unschluessig, welche Hilfsmittel notwendig sind, fuer eine Besteigung. Viele der Insassen hatten wohl aehnliche Gedanken wie Uta, aber aus einem ganz anderen Beweggrund. Ihnen ging es in erster Linie um den Abstieg von der Mauer als um einen technisch perfekten Aufstieg…

San Francisco bietet fuer jeden etwas zum Traemen, zur Sehnsucht, zum Geniessen, zum Schauen und verbreitet gute Laune. Und das beste: es ist nur einen Katzensprung von uns weg (ok, nicht fuer jeden der es jetzt gerade liest, aber fuer jeden der uns besuchen kommt :-)   )

Bis bald!